_

Augenheilkunde: Chip gibt Blinden Sehkraft zurück

Blinde wieder sehen lassen - diesem Ziel sind deutsche Wissenschaftler jetzt ein gewaltiges Stück näher gekommen. Ein von Tübinger Forschern entwickelter Netzhautchip ermöglicht es blinden Menschen, Gegenstände des Alltags zu identifizieren und Worte zu entziffern.

Erfolgreicher Sehtest: Patient Miika konnte erkennen, dass sein Name falsch geschrieben war. Quelle: dpa
Erfolgreicher Sehtest: Patient Miika konnte erkennen, dass sein Name falsch geschrieben war. Quelle: dpa

HB TÜBINGEN. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben in einer Pilotstudie drei Blinden einen Netzhautchip eingepflanzt. Mit Hilfe des Chips konnten die Teilnehmer diverse Sehaufgaben erfüllen, etwa verschiedene Gegenstände auf einem Tisch lokalisieren.

Anzeige

Vor allem ein Patient - Miikka - zeigte in den Sehtests erstaunliche Ergebnisse. Er konnte nicht nur Gegenstände wie Löffel, Gabel, Tasse und eine Banane orten und beschreiben, sondern er erfasste auch Kontrastunterschiede von nur 15 Prozent bei verschiedenen Graustufen. Zudem gelang es ihm, 16 verschiedene Buchstaben voneinander zu unterscheiden, wie die Forscher um Studienleiter Eberhart Zrenner in der aktuellen Ausgabe des Journals "Proceedings of the Royal Society B" berichten.

Als die Wissenschaftler ihm die weißen Lettern "M-I-K-A" auf einen schwarzen Tisch legten, wies er sie darauf hin, dass sein Name falsch geschrieben worden sei. Miikka war als Einzigem der Chip direkt unter den Gelben Fleck implantiert worden, den Ort des schärfsten Sehens im Auge.

Der von den Forschern entwickelte Chip ist nur drei Mal drei Millimeter klein und hauchdünn. Er wird direkt unter die Netzhaut gesetzt. Wenn Licht auf die 1 500 Photodioden des Chips fällt, wird dies über einen Verstärker an die Nervenzellen der Netzhaut geleitet. Im Anschluss werden die Signale zum Sehzentrum geschickt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft