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Medizin: Kunsthaut aus der Hautfabrik

Eine Hautfabrik, die aus menschlichen Zellen künstliche Haut züchtet: Was sich nach Sciencefiction anhört, Fraunhofer-Institut IPA in Stuttgart bereits Realität. Rund 5000 Hautmodelle stellt die Anlage monatlich her.

Ein Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts präsentiert eine Platte mit Gewebekulturen aus der Hautfabrik. Quelle: dpa
Ein Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts präsentiert eine Platte mit Gewebekulturen aus der Hautfabrik. Quelle: dpa

StuttgartDie Hautfabrik – der Name klingt nach Sciencefiction-Streifen. Doch Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft haben tatsächlich eine Anlage entwickelt, die Haut züchtet. Diese soll Testverfahren für Arzneien, Chemikalien oder Kosmetika vergleichbarer und günstiger machen – und Tierversuche unnötig.

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Sieben Meter lang, drei breit und drei hoch ist die Maschine. Hinter Glasscheiben arbeiten kleine Roboterärmchen, rangieren Petrischalen hin und her, ritzen Hautproben an, lösen mit Hilfe von Enzymen Zellen aus der Epidermis, der Oberhaut. Auch Bindegewebs- und Pigmentzellen werden gewonnen.

Als Zelllieferanten dienen im Moment noch die Vorhäute beschnittener Jungen. „Je älter man wird, desto schlechter funktionieren die Zellen“, erklärt Andreas Traube, Diplom-Ingenieur am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart, in dem die Hautfabrik steht. Geforscht wird zudem an Stammzellen als möglicher Zellquelle.

Sechs Wochen dauert die gesamte Prozedur

„Wichtig ist, dass die Eingangszellen aus einer möglichst einheitlichen Quelle kommen, um Abweichungen bei den Hautprodukten zu vermeiden“, sagte Traube, Gruppenleiter für Mechatronik und Prozesstechnik.

Je nach Spender lassen sich aus den Proben drei bis zehn Millionen Zellen lösen, im Brutschrank verhundertfacht sich ihre Zahl. Auf Gewebekulturplatten mit je 24 Röhrchen mit rund einem Zentimeter Durchmesser wächst daraus die neue Haut auf einer Kollagenschicht.

Medizin

Die neue Epidermis ist dünner als ein Millimeter. Mixen die Forscher das Kollagen mit Bindegewebszellen, entsteht sogenannte Vollhaut, die bis zu fünf Millimeter dick ist. Sechs Wochen dauert der gesamte Prozess. „Das lässt sich auch mit der Maschine nicht beschleunigen, sondern ist von der Biologie so vorgegeben“, sagt Traube.

Innerhalb der Anlage ist alles steril. 37 Grad herrschen in den Brutkammern – eine Temperatur, bei der auch Bakterien prächtig gedeihen würden. Mehr als 500 Platten mit je 24 Gewebekulturen kann die Hautfabrik gleichzeitig bearbeiten.

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