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Medizin: Neue Hoffnung auf Therapie gegen Alkoholsucht

Warum sind alkoholkranke Menschen ihr ganzes Leben lang rückfallgefährdet? US-Forscher haben jetzt einen Mechanismus in Gehirn nachgewiesen, der dafür verantwortlich sein könnte. Die gute Nachricht: Ein bereits eingeführtes Medikament könnte helfen, den Teufelskreis der Sucht zu durchbrechen.

Ehemals alkoholkranke Menschen sind extrem rückfallgefährdet. Quelle: dpa
Ehemals alkoholkranke Menschen sind extrem rückfallgefährdet. Quelle: dpa

HB DÜSSELDORF. Menschen, die einmal alkoholkrank waren, sind ihr ganzes Leben lang rückfallgefährdet – besonders, wenn sie mit Orten, Menschen oder Begebenheiten konfrontiert werden, die sie mit dem Rauschmittel assoziieren. Mediziner machen dafür erlernte Verschaltungen im Belohnungszentrum des Gehirns mitverantwortlich – im Wesentlichen unverstanden blieb aber bislang, wieso sich diese gerade durch Alkohol so verfestigen. Woodward Hopf von der University of California in San Francisco und seine Kollegen glauben nun, eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben.

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Die Forscher verglichen die Hirnaktivität von alkoholabhängigen Versuchsmäusen, denen nach einer längeren Entzugsphase das Rauschmittel angeboten wurde, mit der gesunder Mäuse, die sich nach Belieben an einer wohl schmeckenden Zuckerlösung bedienen konnten. Dabei zeigte sich eine insgesamt stärkere neuronale Aktivität des Belohnungszentrums der suchtkranken Tiere, die mit einer nachlassenden Funktion bestimmter dämpfender Ionenkanäle einherging, den so genannten schwach leitenden kalziumaktivierten Kaliumkanälen (SK-Kanäle).

Wurden die SK-Kanäle im Belohnungszentrum aber künstlich stärker aktiviert, so reduzierte sich auch das Verlangen der suchtkranken Tiere nach Alkohol, während die normale Naschlust der Zucker liebenden Nager unverändert anhielt. Die SK-Kanäle spielen demnach wohl eine zentrale Rolle beim Entstehen der Sucht, schlussfolgern die Forscher: Mit jedem Rausch sinke ihre Gesamtleistung und ihr hemmender Einfluss auf das Belohnungszentrum, welches bei zunehmender Aktivität immer mehr Alkohol einfordert.

Die SK-Kanäle benötigen zudem stetig höhere Dosen des Rauschmittels, um dieselbe Dämpfwirkung im Belohnungszentrum auszuüben: Der Teufelskreis der Sucht beginnt.

Die Erkenntnis der Wissenschaftler könnte möglicherweise zu einem neuen Behandlungsansatz der Alkoholsucht führen. Hopf und Kollegen weisen darauf hin, dass bereits Wirkstoffe existieren, die die Aktivität der SK-Kanäle erhöhen. Seit 30 Jahren schon wird das muskelentspannende Chlorzoxazon eingesetzt, welches SK-Kanäle aktivieren kann. Womöglich dämpfen Medikamente mit dem Wirkstoff auch das Verlangen nach Alkohol, hoffen die Forscher.

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