
BerlinIm Mittelalter wäre Anne Wojcicki wohl als Hexe verbrannt worden. Die Frau von Google-Gründer Sergey Brin ist geradezu verdächtig intelligent und sammelt Spucke von ihren Mitmenschen. Und sie behauptet, in die Zukunft sehen zu können. Gründe genug für den Scheiterhaufen.
Heute befinden wir uns im 21. Jahrhundert, aber brandaktuell ist die Debatte um das Vorhersage-Geschäft mehr denn je. Wojcickis Orakel arbeitet nicht mit Kaffeesatz oder Sternbildern, sondern mit Genen. Dazu braucht es nicht mehr als ein paar Klicks auf der Webseite von Wojcickis kalifornischer Firma „23andme“, 99 US-Dollar – und ein Reagenzgläschen voller Spucke. Auch ich habe gespuckt, testweise.
Die Reise in mein genetisches Ich beginnt reichlich unappetitlich: Vor mir liegt ein kleines Paket in Google-poppigem Design. Darin Werkzeug und Instruktionen, wie ich ein paar meiner Zellen sammeln kann für die Analyse meines Erbguts.
„23andme“ will, dass ich ein ganzes Plastikröhrchen mit Speichel fülle. Mit knochentrockenem Mund bestelle ich den FedEx-Service und schicke ein paar meiner Zellen samt DNA auf die Reise nach Kalifornien.
Ob Bleigießen, Sterne gucken oder Hände lesen – Technologien, die einen Blick in die Zukunft versprechen, lassen gemeinhin zu wünschen übrig. Dennoch sind Menschen seit jeher bereit, Sehern jeder Art viel Geld zu bezahlen. Laut Versicherungsfirma UnitedHealth könnte der Markt für Gentests, mit denen Krankheiten diagnostiziert oder gesunden Menschen anhand ihrer individuellen Genvarianten Krankheitsrisiken vorhergesagt werden, in zehn Jahren 25 Milliarden Dollar weltweit erreichen.
Bis vor kurzem war der Weg zu dieser Goldgrube noch verbaut, weil die dazu nötige Erbgut-Analyse eines einzigen Menschen Hunderte von Millionen Dollar kostete. Doch der Preis ist inzwischen so weit gefallen, dass eine Jedermann-Genetik möglich geworden ist: Consumer-Genetics ganz ohne ärztliche Beratung.

Der Autor macht sich unglaubwürdig, weil er diesem Guru nicht glaubt, aber dem, der ihm erzählt, dass er aufgrund seines Körpergewichts und seiner Größe nicht an Typ-1 Diabetes erkranken kann. Er glaubt auch dem Guru, der ihm erzählt, dass das deutsche Gendiagnostikgesetz hoch ethisch ist und das natürlich auch nur in Händen von Ärzten, die damit ja kein Geld verdienen, sondern nur heilen wollen.
Die Diagnostik des BRCA1-Gen mit dem Brokkoli-Gen auf eine Stufe zu stellen, beweisst wie unreflektiert dieser Artikel ist. Ein Hoch der Polemik!

Ich gehe davon aus dass Frau Jolie etwas mehr als 99 USD für den Gentest ausgegeben hat, bevor sie sich zu diesem Schritt entschieden hat. Aber grundsätzlich ist es das Recht jedes einzelnen.

Nun, ich gehe mal davon aus, dass Jolie etwas mehr als 99 USD ausgegeben hat bevor sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Insofern ist Ihr Stückchen zwar nett zu lesen, aber sonst ziemlich pointless.
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