
Seit jeher hat Gold die Menschen fasziniert. Seine Seltenheit macht das Edelmetall zu einer begehrten Wertanlage, wie die immer neuen Goldpreisrekorde der vergangenen Monate einmal mehr unterstrichen haben. Und doch ist Gold gar nicht so selten, wie es seiner Entstehungsgeschichte nach sein könnte. Tatsächlich würden sich Edelmetalle wie Gold oder Platin in für Menschen unerreichbaren Tiefen der Erde verstecken, hätte es in der Vergangenheit unseres Planeten nicht einen Mechanismus gegeben, der den irdischen Goldvorrat ergänzte. Aber der Reihe nach.
Der „Goldschatz“ unserer Erde speiste sich ursprünglich aus der Hinterlassenschaft sehr massereicher Sterne. Diese „erbrüteten“ Gold und andere Elemente in ihrem Inneren, um sie schließlich in gewaltigen Explosionen, sogenannten Supernovae, ins All zu schleudern. Dieses Material bildete den Ausgangsstoff, aus dem vor mehr als vier Milliarden Jahren unsere Sonne und ihre Planeten entstanden.
Doch die in der frühen Erde vorhandenen Siderophilen – so der Name der Elementengruppe, zu der Gold und Platin gehören – konzentrierten sich in der Phase der Ausdifferenzierung des Planeten im Erdkern. Wo sie heute noch lagern, in für Menschen unerreichbaren Tiefen von einigen tausend Kilometern. Rund 99 Prozent des irdischen Goldvorrats ruhen in diesem für uns dauerhaft verschlossenen Tresor.
Dass wir nicht ganz auf das glänzende Metall verzichten müssen, verdanken wir sogenannten Protoplaneten – Gesteinsbrocken von bis zu mehreren tausend Kilometern Durchmesser, die in der Frühphase der Erdgeschichte mit der Erde kollidierten. Auch diese Brocken bestanden zum Teil aus Siderophilen – Material, das nicht mit dem Erdkern verschmolz, sondern die äußeren Schichten unseres Planeten mit Edelmetall anreicherte. Durch Vulkanismus gelangte das Gold schließlich in den Bereich der Erdkruste, wo wir es heute fördern können.
William Bottke vom Southwest Research Institute in Boulder hat diesen Mechanismus genauer unter die Lupe genommen. Seinen Berechnungen zufolge müssen die kosmischen Geschosse von enormer Größe gewesen sein: Die größten Brocken dürften es auf 3000 Kilometer Durchmesser gebracht haben. Deutlich kleinere Exemplare sind seinerzeit wohl auch auf Mond und Mars niedergegangen – wo sie ähnlich kostbare Spuren hinterlassen haben könnten.