
Sonne, Strand, Meer – die Gründe, warum es viele Urlauber Richtung Süden zieht, liegen auf der Hand. Doch auch abseits aller Urlaubsfreuden ist südwärts offenbar die bevorzugte Richtung der menschlichen Fortbewegung. Das hat Tad Brunyé von der Tufts University im US-Bundesstaat Massachusetts herausgefunden – und er hat auch eine passende Erklärung parat. Aber der Reihe nach.
Brunyé war aufgefallen, dass viele Menschen die südliche Alternative wählen, wenn ihnen zur Erreichung eines Ziels zwei gleich lange Routen – eine nördliche und eine südliche – zur Verfügung stehen. Bei Ost-West-Routen ließ sich eine solche Präferenz dagegen nicht ausmachen.
Der Wissenschaftler überprüfte seine eher zufällig gemachte Beobachtung in Versuchen mit Studenten: Er legte ihnen Karten vor, auf denen jeweils eine Nord- und eine Südroute zum Ziel führten. Die Studenten, die nicht wussten, dass beide Routen exakt gleich lang waren, entschieden sich überwiegend für den südlichen Weg: Gut zwei Drittel der Probanden wählten diese Route.
Interessant waren dabei die Begründungen für die jeweilige Wahl: Der südliche Weg wurde regelmäßig als derjenige bezeichnet, der schneller zum Ziel führe, der Nordroute hingegen bescheinigten die Probanden ein potenziell schöneres Panorama.
Und genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens. Wer sich anhand einer Karte orientiert, überträgt offenbar unbewusst die Tatsache, dass auf Karten Norden oben und Süden unten ist, auf den tatsächlichen Weg. Die Route nach Norden wird so zum Weg bergauf: Von oben hätte der Reisende dann tatsächlich die bessere Aussicht, allerdings würde er auf diesem Weg auch mehr Zeit benötigen, um ans Ziel zu gelangen.