
Warum gibt es eigentlich Männer? Diese Frage stammt nicht aus einem radikalfeministischen Seminar, sondern beschäftigt vor allem Evolutionsbiologen. Rein biologisch betrachtet wäre die geschlechtslose Fortpflanzung asexueller Lebewesen deutlich effizienter. Diese könnten sich schlicht selbst befruchten, wie es in der Natur auch durchaus vorkommt – und sich so den mühseligen Prozess des Partnersuchens sowie das Werben um das andere Geschlecht ersparen. Dennoch hat sich die aufwendige geschlechtliche Fortpflanzung in der Tierwelt auf breiter Front durchgesetzt.
Eine Theorie der Evolutionsbiologen für die Existenz der Geschlechter: Die durch sexuelle Fortpflanzung verursachte genetische Variation bewahrt den Nachwuchs vor der Schädigung durch Parasiten. Je stärker das Erbgut der Wirte variiert, desto schwerer haben es Parasiten, sich einzurichten.
Dieses Wettrüsten zwischen Wirt und Parasit wird auch als „Red-Queen-Hypothese“ bezeichnet – entnommen aus dem Kinderbuch „Alice im Wunderland“. Dort erklärt die Rote Königin der verwirrten Alice, in ihrer Welt müsse man so schnell wie möglich rennen, um am selben Fleck zu bleiben. Ganz ähnlich funktioniert es der Theorie zufolge in der Natur: Lebewesen, die sich geschlechtlich fortpflanzen, verändern ihr Erbgut in jeder Generation, um als Art zu überleben.
Der Beweis von Hypothesen im Bereich der Evolution ist schwierig zu erbringen, denn Anpassungsvorgänge benötigen normalerweise viel Zeit. Dem US-Biologen Levi T. Morran ist es dennoch gelungen, starke Indizien für die Existenz der Roten Königin in der Natur zu sammeln. Er beobachtete winzige Fadenwürmer der Art Caenorhabditis elegans. Die Besonderheit der Würmer: Sie können sich sowohl zweigeschlechtlich als auch durch Selbstbefruchtung vermehren. Bereits 2010 beobachtete er, dass die Würmchen vor allem dann zur Zweigeschlechtigkeit übergehen, wenn die Umweltbedingungen besonders feindlich sind.
In einem neuen Experiment nutzte der Biologe die Tatsache, dass die Würmer unter dem Befall eines Schädlings namens Serratia marcescens leiden. In verschiedenen Experimenten belegte er, dass die Fadenwürmer die sexuelle Fortpflanzung zur Abwehr gegen den Schädling nutzen. Durch genetische Manipulation asexuell gemachte Wurm-Populationen starben nach Befall durch den Parasiten. Wurde die genetische Weiterentwicklung des Parasiten künstlich verhindert, pflanzten sich die Fadenwürmer nur kurze Zeit geschlechtlich fort – kehrten dann aber schnell zur effizienteren Selbstbefruchtung zurück. Nur wenn dem Wettrüsten von Würmern und Parasiten freien Lauf gelassen wurde, dominierte die sexuelle Fortpflanzung. Lang lebe die Rote Königin!
Running with the Red Queen: Host-Parasite Coevolution Selects for Biparental Sex (Science)
Die Aufspaltung in 2 Geschlechter hat noch einen offenkundigen Effekt, nämlich den der Gen-Auswahl.
Das Y Chromosom enthält verhältnismäßig wenig Information. Der entscheidende Datenträger ist das X Chromosom.
Durch die "Erfindung" des Mannes läßt sich eine Auswahl über die X Chrosomen zur Weitergabe treffen weil "Mann" eben entweder nur das eine oder andere X Chromosom der Mutter erben kann.
Das kann man noch dadurch untermauern das Frauen in der Partnerwahl dazu tendieren Männer zu bevorzugen die erfolgreicher sind als sie selbst.
Und auch die Intelligenzverteilung deutet auf einen solchen Zusammenhang hin, da die Verteilung bei den Männern zwischen den Extremen höher ist als bei Frauen.
Die Männer, die also bei der Partnerwahl das subjektiv "schwächere" X Chromosom ihrer Mütter geerbt haben, haben damit geringere Fortpflanzungschancen.
H.
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