_

Schneller schlau: Warum gibt es Männer?

Was „Alice im Wunderland“ mit Sex zu tun hat - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.

Illustration aus Lewis Carrolls "Alice im Wunderland". Die Rote Königin erklärt Alice: In meiner Welt musst so schnell wie möglich rennen, um am selben Fleck zu bleiben. Quelle: Public Domain
Illustration aus Lewis Carrolls "Alice im Wunderland". Die Rote Königin erklärt Alice: In meiner Welt musst so schnell wie möglich rennen, um am selben Fleck zu bleiben. Quelle: Public Domain

Warum gibt es eigentlich Männer? Diese Frage stammt nicht aus einem radikalfeministischen Seminar, sondern beschäftigt vor allem Evolutionsbiologen. Rein biologisch betrachtet wäre die geschlechtslose Fortpflanzung asexueller Lebewesen deutlich effizienter. Diese könnten sich schlicht selbst befruchten, wie es in der Natur auch durchaus vorkommt – und sich so den mühseligen Prozess des Partnersuchens sowie das Werben um das andere Geschlecht ersparen. Dennoch hat sich die aufwendige geschlechtliche Fortpflanzung in der Tierwelt auf breiter Front durchgesetzt.

Anzeige

Eine Theorie der Evolutionsbiologen für die Existenz der Geschlechter: Die durch sexuelle Fortpflanzung verursachte genetische Variation bewahrt den Nachwuchs vor der Schädigung durch Parasiten. Je stärker das Erbgut der Wirte variiert, desto schwerer haben es Parasiten, sich einzurichten.

Dieses Wettrüsten zwischen Wirt und Parasit wird auch als „Red-Queen-Hypothese“ bezeichnet – entnommen aus dem Kinderbuch „Alice im Wunderland“. Dort erklärt die Rote Königin der verwirrten Alice, in ihrer Welt müsse man so schnell wie möglich rennen, um am selben Fleck zu bleiben. Ganz ähnlich funktioniert es der Theorie zufolge in der Natur: Lebewesen, die sich geschlechtlich fortpflanzen, verändern ihr Erbgut in jeder Generation, um als Art zu überleben.

Facebook Kein „Schneller schlau“ mehr verpassen

Überraschende Antworten auf spannende Fragen - wenn Sie der Facebook-Seite von „Schneller schlau“ folgen, verpassen Sie garantiert keine Folge mehr.

Facebook: Kein „Schneller schlau“ mehr verpassen

Der Beweis von Hypothesen im Bereich der Evolution ist schwierig zu erbringen, denn Anpassungsvorgänge benötigen normalerweise viel Zeit. Dem US-Biologen Levi T. Morran ist es dennoch gelungen, starke Indizien für die Existenz der Roten Königin in der Natur zu sammeln. Er beobachtete winzige Fadenwürmer der Art Caenorhabditis elegans. Die Besonderheit der Würmer: Sie können sich sowohl zweigeschlechtlich als auch durch Selbstbefruchtung vermehren. Bereits 2010 beobachtete er, dass die Würmchen vor allem dann zur Zweigeschlechtigkeit übergehen, wenn die Umweltbedingungen besonders feindlich sind.

In einem neuen Experiment nutzte der Biologe die Tatsache, dass die Würmer unter dem Befall eines Schädlings namens Serratia marcescens leiden. In verschiedenen Experimenten belegte er, dass die Fadenwürmer die sexuelle Fortpflanzung zur Abwehr gegen den Schädling nutzen. Durch genetische Manipulation asexuell gemachte Wurm-Populationen starben nach Befall durch den Parasiten. Wurde die genetische Weiterentwicklung des Parasiten künstlich verhindert, pflanzten sich die Fadenwürmer nur kurze Zeit geschlechtlich fort – kehrten dann aber schnell zur effizienteren Selbstbefruchtung zurück. Nur wenn dem Wettrüsten von Würmern und Parasiten freien Lauf gelassen wurde, dominierte die sexuelle Fortpflanzung. Lang lebe die Rote Königin!

Running with the Red Queen: Host-Parasite Coevolution Selects for Biparental Sex (Science)

  • 13.09.2011, 12:34 UhrAnonymer Benutzer: Hermann.12

    Die Aufspaltung in 2 Geschlechter hat noch einen offenkundigen Effekt, nämlich den der Gen-Auswahl.
    Das Y Chromosom enthält verhältnismäßig wenig Information. Der entscheidende Datenträger ist das X Chromosom.
    Durch die "Erfindung" des Mannes läßt sich eine Auswahl über die X Chrosomen zur Weitergabe treffen weil "Mann" eben entweder nur das eine oder andere X Chromosom der Mutter erben kann.
    Das kann man noch dadurch untermauern das Frauen in der Partnerwahl dazu tendieren Männer zu bevorzugen die erfolgreicher sind als sie selbst.
    Und auch die Intelligenzverteilung deutet auf einen solchen Zusammenhang hin, da die Verteilung bei den Männern zwischen den Extremen höher ist als bei Frauen.
    Die Männer, die also bei der Partnerwahl das subjektiv "schwächere" X Chromosom ihrer Mütter geerbt haben, haben damit geringere Fortpflanzungschancen.

    H.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Auto-Visionen Viel Power für wenig Euro - Mazda 3 MPS

Über das Design des sportlichen Japaners kann man streiten - über das Preis-Leistungsverhältnis nicht. Für weniger als 30.000 Euro bietet Mazda satte 260 Pferdestärken. Was sonst noch im MPS steckt, klärt unser Fahrtest.