
Unter allen invasiven Arten, die dank menschlicher Transportmittel auf fremde Kontinente verschleppt wurden, gehört die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta) zu den erfolgreichsten – und sicherlich auch den unangenehmsten. Sie metzelt einheimische Ameisen nieder, bedroht Ernten, beschädigt elektrische Anlagen und greift sogar Menschen an.
Laut Einschätzung der Weltnaturschutzunion IUCN gehört die „Unbesiegbare“ (so die Übersetzung des lateinischen „invicta“) weltweit zu den 100 gefährlichsten Invasoren. Allein in den USA, wo Solenopsis schon in den 1930er Jahren einwanderte, kostet ihre Bekämpfung jedes Jahr über eine Milliarde Dollar – und die Erfolge sind mäßig.
Dem Schlüssel zur Unbesiegbarkeit der lästigen Eindringlinge kam Shawn Wilder von der Texas A & M University jetzt auf die Spur: Honigtau. Viele pflanzensaugende Insekten wie Blattläuse scheiden diesen Stoff aus und lassen sich im Austausch von Ameisen vor Fressfeinden beschützen.
In der argentinischen Heimat von Solenopsis konkurrieren viele unterschiedliche Arten um diese Energiequelle, so dass die Feuerameise lediglich etwa zwei Prozent der Gesamtmenge abgreifen können. Ganz anders jedoch in ihren neuen Siedlungsgebieten. Hier ist die Feuerameise bei weitem die aggressivste und stärkste Art.
In den von Wilders Team untersuchten Gebieten kontrollierten sie drei Viertel aller Honigtau ausscheidenden Insekten. Dieses Ergebnis erhielten die Wissenschaftler auch, wenn sie künstliche Futterstellen mit Honigwasser aufstellten – auch von diesen rissen sich die Feuerameisen den Großteil unter den Nagel.
Die Ameisen haben ihre Nahrung in den neuen Verbreitungsgebieten vollständig umgestellt, so die Analyse der Forscher. Während sich Solenopsis invicta in ihrer ursprünglichen Heimat hauptsächlich von Insekten ernährt, stammt in den USA der Hauptanteil der Nahrung aus Pflanzenmaterial – eben dem aus Pflanzensaft gewonnenen Honigtau.
Dieses Monopol auf leicht verdiente, energiereiche Nahrung macht den Unterschied: Kolonien, die Zugang zu Honigtau-Produzenten hatten, erwiesen sich im Experiment um etwa 20 Prozent größer als jene, denen diese Ressourcen nicht zur Verfügung stehen.