
Um bis zu 270 Grad kann ein Uhu oder Kauz seinen Kopf in beide Richtungen drehen, um die Landschaft nach Beute auszuspähen – eine extreme Rotationsfähigkeit, die unter Wirbeltieren ihresgleichen sucht. Mit diesem „Hals-Trick“ gleichen die Eulen ihr eigentlich kleines Sehfeld aus, das von ihren großen, strikt nach vorne ausgerichteten Augen herrührt.
Fabian de Kok-Mercado vom Johns Hopkins Hospital in Baltimore und seine Kollegen haben nun geklärt, warum diese Fähigkeit keine bleibenden Schäden an den Blutgefäßen und am Hirn der Tiere hinterlässt. Würde ein Mensch seinen Kopf soweit um seine Rotationsachse drehen, müsste er mit Rissen in den Adern und Schäden bis hin zum Hirnschlag rechnen.
Nicht so die lautlosen Jäger der Nacht. „Als Neurologe habe ich mich schon immer gefragt, warum der Waldboden nicht von tausenden toten Eulen übersät ist, die durch einen von ihren raschen Kopfbewegungen ausgelösten Schlaganfall gestorben sind“, sagt der ebenfalls beteiligte Neuroradiologe Philippe Gailloud. „Die Arterien im Nackenbereich der meisten Tiere – auch von Menschen und Eulen – sind eigentlich sehr fragil und reagieren schon sehr empfindlich auf kleinere Risse der Gefäßwand.“
Dennoch entstehen bei den Vögeln durch das wiederholte Drehen und Dehnen der Blutgefäße kaum Blutgerinnsel, die eine tödliche Embolie auslösen könnten. Ermöglicht wird dies durch die besondere Anatomie des Eulenschädels und das Adernetzwerk, das den großen Kopf der Vögel versorgt, so die Mediziner, die für ihre Studie durch natürlichen Tod verendete Schneeeulen, Streifenkäuze und Virginia-Uhus in ein Röntgengerät schoben.
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