
Von den Alpen bis zum Himalaja, von Grönland bis in die Antarktis lässt die globale Erwärmung die Gletscher unserer Erde schmelzen. Nur einer der weißen Giganten scheint gegen den globalen Trend immun zu sein.
Weit abgelegen, in der argentinischen Provinz Patagonien am Fuße der Anden, liegt der Perito Moreno, eine knapp dreißig Kilometer lange Eiszunge, die im großen Patagonischen Eisschild entspringt. Er schrumpft nicht und produziert alle paar Jahre sogar ein imposantes Naturschauspiel, das zu den größten Attraktionen des Landes gehört.
Jeden Tag schiebt sich der Perito Moreno im Schnitt um einen Meter vorwärts in den milchig-blauen Lago Argentino, einen Gletschersee, der sich aus dem Schmelzwasser des Gletschers speist. Im See schwimmen zahllose Eisberge, die aus der knapp sechzig Meter hohen Gletscherfront gebrochen sind. Sie verleihen dem Gewässer einen Hauch von Polarmeer und können durch ihren Sturz zudem meterhohe Flutwellen auslösen.
Das reizvolle Landschaftsbild und das beständige Kalben des Gletschers – so nennt die Wissenschaft das Abbrechen der Eisfelsen – sind aber noch nicht alles, was der Perito Moreno zu bieten hat. Denn das Abbröckeln der Eismassen kann nicht immer mit der Geschwindigkeit mithalten, mit der der Gletscher Eis nachschiebt. Und so riegelt alle vier bis zehn Jahre eine weiße Staumauer einen Seitenarm des Sees ab.
Da auch verschiedene Flüsse und Bäche in diesen Teil des Lago münden, steigen dort rasch die Pegel – teilweise um zehn Zentimeter pro Tag. Auf Dauer hält die Gletscherzungenspitze dem aber nicht stand, Wasser dringt in Spalten und Risse ein, schmilzt sie größer und größer, so dass Hohlräume entstehen.
Irgendwann ist der eisige Damm schließlich so porös, dass er mit Getöse nachgibt und sich der Seitenarm in einer Sturzflut mit dem Hauptteil des Sees wiedervereint. Anschließend pendelt sich das Gleichgewicht aus Eisabbau und -vorstoß wieder weitgehend ein.