
Wir schreiben das Jahr 1925: In Paris wird über die Zukunft des Eiffelturms diskutiert. Das Symbol der Weltausstellung von 1889 ist den Stadtvätern zu teuer geworden. Zudem gilt die Stahlkonstruktion als wenig passendes Wahrzeichen für eine Stadt, deren bekannteste Bauwerke eher der Gotik oder dem Klassizismus verpflichtet sind. Sollte man das Ungetüm, das ursprünglich ohnehin nur für eine begrenzte Dauer errichtet worden war, nicht lieber abreißen?
Ein Mann verfolgt die Diskussion in der Pariser Presse mit großer Aufmerksamkeit: Victor Lustig (1890-1947), Trickbetrüger aus Böhmen, ein Mann mit Charme, Verstand – und unbestreitbarem Verkaufstalent. Sein größter Verkaufsschlager: die Gelddruckmaschine. Nach einem mehrstündigen „Produktionsprozess“ spuckt sie eine 100-Dollar-Note aus, die von einer echten nicht zu unterscheiden ist. Kein Wunder, hat Lustig die Maschine doch zuvor heimlich mit einigen echten Hundertern gefüttert. Ist dieser Vorrat aufgebraucht, liefert die Maschine nur noch weißes Papier. Üblicherweise ist Lustig dann allerdings schon mit dem stolzen Kaufpreis von 30 000 Dollar über alle Berge.
Die Eiffelturm-Diskussion bringt Lustig auf die Idee zu seinem größten Coup. Wenige Tage später erhalten sechs Pariser Schrotthändler eine Einladung in ein vornehmes Hotel. Dort erwartet sie ein Herr, der sich als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums vorstellt und ein interessantes Angebot bereithält: Der Eiffelturm solle abgerissen und der anfallende Stahl – immerhin rund 10 000 Tonnen – als Schrott entsorgt werden. Nach dem Studium verschiedener Unterlagen und einer Ortsbegehung zeigt sich einer der Herren, Andre Poisson, sehr interessiert.
Natürlich handelte es sich bei dem vermeintlichen Generaldirektor um niemand anderen als Victor Lustig. Durch sein überzeugendes Auftreten und geschickt gefälschte Papiere gelingt es dem Betrüger tatsächlich, Poisson um mehr als 200 000 Francs zu erleichtern. Besonderes Geschick beweist Lustig, als er von Poisson bei einem zweiten Treffen vor Abschluss des Geschäfts Schmiergeld fordert – was diesen davon überzeugt, es mit einem echten französischen Staatsbeamten zu tun zu haben.
Poisson hat den Vorfall nicht den Behörden gemeldet – aus Angst, sich in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Fast wäre es Lustig deshalb gelungen, den Eiffelturm noch ein weiteres Mal zu verkaufen. Doch sein zweites Opfer schöpfte Verdacht und ging zur Polizei. Der Trickbetrüger konnte sich gerade noch rechtzeitig nach Amerika absetzen. Dort allerdings fand seine betrügerische Laufbahn schließlich ihr branchentypisches Ende: 1947 starb Lustig als Insasse des berüchtigten Zuchthauses von Alcatraz.
Geschickt angestellt, man muß nur viel Fanatsie und Selbstbewußtsein haben.
Heutzutage wäre Victor Lustig wahrscheinlich Mitarbeiter einer investmentbank geworden und hätte sich lustige Wertpapiere zum Eifelturm einfallen lassen.
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