
Die Goldmacher und Alchemisten vergangener Jahrhunderte hätten zu Javier Morales sicher ehrfurchtsvoll aufgeblickt. Der mexikanische Forscher hat zwar nicht Eisen in Gold, aber immerhin Agavenschnaps in Diamant verwandelt. Und kam dabei ganz ohne den von Alchemisten so heiß ersehnten Stein der Weisen aus.
Morales nutzte für seinen „Zaubertrick“ ein bekanntes Verfahren, die chemische Gasphasenabscheidung. Dabei wird ein kohlenstoffhaltiges Gas auf eine extrem heiße Oberfläche geleitet. Die hohe Temperatur sorgt dafür, dass sich die Gasmoleküle zersetzen, wobei die freiwerdenden Kohlenstoffatome zu winzigen Diamanten kristallisieren. Eine so behandelte Oberfläche wird weitgehend unempfindlich gegen mechanische Schäden oder aggressive Chemikalien.
Doch damit es zur Diamantbildung kommt, muss die Zusammensetzung des Gases genau stimmen: Enthält es zu wenig Kohlenstoff, passiert nichts, bei zu viel entsteht statt Diamant Ruß oder Graphit. Die richtige Mischung ist also der Schlüssel zur Diamantenherstellung, und genau hier kommt der Tequila ins Spiel.
Morales ließ den mexikanischen Nationalschnaps bei knapp 300 Grad Celsius verdampfen und leitete den Dampf in eine Kammer mit 850 Grad heißen Stahl- und Silizium-Plättchen. Nach einigen Stunden waren die Plättchen mit einer hauchdünnen Schicht überzogen, die sich unter dem Elektronenmikroskop als Diamant entpuppte.
Wer nun davon träumt, sich aus dem Schnapsladen den Grundstoff für einen veritablen Klunker zu besorgen, muss allerdings mit einer Enttäuschung rechnen: Handelsüblicher Tequila eignet sich nicht für die Produktion großer Schmucksteine, die atomare Zusammensetzung des Schnapses reicht gerade so aus, um mikroskopisch kleine Kristalle wachsen zu lassen.
Trotzdem wurde Morales 2009 mit einem Chemie-Nobelpreis für seine Arbeit ausgezeichnet – wenn auch nur mit dem Ig-Nobelpreis, den die Harvard-Universität alljährlich mit einem Augenzwinkern für besonders skurrile Forschung verleiht.
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