
Vor fünfeinhalb Millionen Jahren hätten Strandurlauber am Mittelmeer eine herbe Enttäuschung erlebt: Statt sich im kühlen Nass zu erfrischen, hätten sie allenfalls eine schmutzige Salzkruste vom Boden abkratzen können. Denn Europas Badewanne war seinerzeit eine riesige Salzwüste, in die nur ein paar größere Flüsse – der Nil etwa – ein wenig Feuchtigkeit brachten.
Schuld an dieser Verödung war eine Barriere in der Straße von Gibraltar. Dort hatte sich durch eine tektonische Hebung eine natürliche Staumauer gebildet, die den Nachschub von Atlantikwasser ins Mittelmeerbecken verhinderte. Innerhalb weniger tausend Jahre verdunstete das Nass des Binnenmeeres, zurück blieb das Salz, das sich in mächtigen Schichten ablagerte.
Zum Glück für die mediterrane Tourismusindustrie blieb es nicht lange bei diesem Zustand: Nur rund 200.000 Jahre – nach geologischen Maßstäben ein Augenblick – dauerte es, bis Wind, Regen und die Wellen des anbrandenden Atlantiks den Sperrriegel beseitigt hatten.
Was dann folgte, war eine wahre Sintflut: 100 Millionen Kubikmeter Wasser stürzten pro Sekunde ins Mittelmeerbecken und ließen dessen Wasserstand um bis zu 10 Meter pro Tag steigen. Bei diesem Tempo nimmt es nicht wunder, dass es nur zwei Jahre dauerte, um die einstige Wüste wieder in ein veritables Meer zu verwandeln.
Heute gehen Forscher davon aus, dass es in der Geschichte des Mittelmeeres mehrfach zu diesem Wechselspiel zwischen Wüste und Meer gekommen ist. Darauf deuten unter anderem die mehrere Kilometer mächtigen Salzablagerungen in einigen tieferen Becken des Meeres.
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