
Sturmtief Andrea hat uns wieder einmal unangenehm in Erinnerung gebracht, dass Deutschland zu den regenreicheren Ecken unseres Planeten gehört. Doch woher stammt der Niederschlag eigentlich, der sich in unschöner Regelmäßigkeit über unseren Köpfen entlädt? Genauer gefragt: Wo verdunstet das Wasser, das den Nachschub für unsere Regenwolken liefert?
Luis Gimeno von der Universität im spanischen Ourense ist dieser Frage einmal nachgegangen – und dabei in einer Region fündig geworden, in die sich mitteleuropäische Sonnenanbeter gerne während der rauen Jahreszeit in ihrer Heimat flüchten. Tatsächlich stammt der Niederschlag aus einem Gebiet des Nordatlantiks, das durch zwei Urlaubsparadiese begrenzt wird: im Westen durch die zur Karibik gehörenden Kleinen Antillen, im Osten durch die Kanarischen Inseln.
Je nach Jahreszeit und vorherrschender Windrichtung gehen die in diesem Teil des Atlantiks verdunstenden Wassermassen in Europa, Teilen von Nord- und Südamerika sowie Nordafrika nieder. Damit ist der subtropische Nordatlantik der wichtigste Regenlieferant für die Landmassen der Erde – dicht gefolgt von seinem sich südlich des Äquators anschließenden Teil, dessen Wassermassen insbesondere die Regenwaldgebiete des Amazonas versorgen.
Der größte Ozean der Erde, der Pazifik, weist zwar in seinen infrage kommenden Regionen ähnlich hohe Verdunstungsraten auf, seine Größe sorgt jedoch dafür, dass nur ein geringer Teil dieses Wassers Land erreicht. Überhaupt sind die Ozeane die wahren „Regenlöcher“ unseres Planeten: Fast 90 Prozent des gesamten Niederschlags der Erde – etwa 500.000 Kubikkilometer pro Jahr – gehen über den Meeren nieder.