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28.01.2008 
Jahr der Mathematik

Abschied vom Alptraum

von Uli Schulte Döinghaus

Für die einen ist sie Faszination pur, für andere eine Buch mit sieben Siegeln und für einige gar der reine Zahlenhorror – die Mathematik. Wie keine andere Naturwissenschaft unterteilt sie ihr Publikum in die Schweißgebadeten und die Leidenschaftlichen. Doch auch, wer die Welt der Zahlen bislang nur als Alptraum erlebte, kann derzeit in Deutschland ganz neue Einblicke gewinnen. Eine Spurensuche zum Jahr der Mathematik.

Bunte Welt der Zahlen und Formen: An vielen Orten in Deutschland laden Ausstellungen zum Jahr der Mathematik ein Foto: rtrLupe

Bunte Welt der Zahlen und Formen: An vielen Orten in Deutschland laden Ausstellungen zum Jahr der Mathematik ein Foto: rtr

DÜSSELDORF. Schweißtropfen triefen auf Daunen und Laken, im Schreien richte ich mich auf und starre verwirrt in die Düsternis, bis sich die Panik in Erleichterung auflöst. Gott sei Dank! Dies ist kein Mathematikabitur, sondern ein nächtliches Schlafzimmer. Dies ist nicht das Trauma von der kenntnislosen Prüfungsangst, sondern der übliche Quartalstraum, dieser Vierteljahresalp, der mich so sicher heimsucht wie drei mal drei gleich neune sind. Sie wissen schon, wie ich’s meine.

Die Mathematik kennt vermutlich keine Gleichgültigkeit, sondern sie sortiert ihr Publikum in die Schweißgebadeten und die Leidenschaftlichen.

Für die einen wie für die anderen ist 2008 zum „Jahr der Mathematik“ erhoben worden, in dem es an Festreden ebenso wenig mangeln wird wie an Versuchen, die Riemann’sche Hypothese sowie die Goldbach’sche Vermutung endlich aufzulösen – jene vielleicht letzten Rätsel der Mathematik.

Bevor das mathematische Jahr also seine Unschuld verliert, empfiehlt sich ein Besuch in die Musealität von Zahlen, Ziffern, Ungewissheiten und Vermutungen – facht sie unsere Neugier an? Weckt sie Lust an der Leidenschaft der Abstraktion – oder dupliziert sie den Alp?

Forsch stapft der Punk mit der grünen Irokesenfrisur durch das Heinz Nixdorf MuseumsForum, im Schlepptau eine Dame mittleren Alters. Sie machen vor einer Vitrine halt, in welcher der Nachbau einer Rechenmaschine aus der Aufklärungszeit ausgestellt ist: Anwendung erwünscht. „Mama, komm her“, sagt der ostwestfälische Irokese und stellt hier ein Sprossenrad ein, justiert dort an der Staffelwalze, „ich erklär es dir.“

Ob Mama es kapiert hat, geht in den Erläuterungen ihres Sohnes unter, in denen es um Computer geht und ihre zahlreichen analogen Vorläufer, die Rechenmaschinen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Das ist doch nicht normal, dass du nicht wissen willst, wie das funktioniert.“

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