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07.02.2008 

Aber nehmen wir’s nicht tragisch. Wir sind eben so, wie wir sind; affenartigen Wesen vor vielen Millionen Jahren entsprungen, tapsen wir jetzt durch eine Welt, die wir uns selbst geschaffen haben und nicht mehr wirklich kontrollieren können. Wie? Das sollen wir nicht tragisch nehmen? „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“, lautet ein alter österreichischer Ausspruch. Aber Scherz beiseite. Je besser wir die unser Verhalten bestimmenden Antriebe kennenlernen, umso besser werden wir auch in der Lage sein, mit ihnen zu leben.

Den Glauben, dass wir rational planende und handelnde Wesen sind, müssen wir ebenso aufgeben wie die Vorstellung von einer Autonomie unseres Willens. Natürlich haben wir in verschiedenen Situationen Wahlmöglichkeiten. Wie – wofür oder wogegen – wir uns aber letztlich entscheiden, hängt von vielen unbewussten Komponenten ab, die sich gleichsam weigern, sich einer rationalen Zensur zu unterziehen. Dieser Umstand braucht uns nicht zu beunruhigen, sofern wir nur mit dem Ergebnis unser Entscheidungen halbwegs zufrieden sind. Leider müssen wir im Nachhinein häufig erkennen, dass wir eine falsche Entscheidung getroffen haben. Natürlich, nachträglich ist man immer klüger. Da helfen dann oft nur eine gute Portion Humor und die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können.

Der Glaube, alles sei rational plan- und machbar, ist gefährlich. Er bedeutet vor allem eine Ignoranz bezüglich unserer wahren Natur, unserer natürlichen Grundausstattung und verleitet mithin zu Überheblichkeit beziehungsweise zu einer fatalen Fehleinschätzung unserer Fähigkeiten. Wir Menschen tragen unsere „äffische Vergangenheit“ mit uns herum und können nicht einfach abstreifen, was an Verhaltensdispositionen in Jahrmillionen im Dienste unseres Überlebens entstanden ist.

Vor allem Ökonomen sind gut beraten, sich diesen Umstand stets zu vergegenwärtigen. Etwas Bescheidenheit ist angebracht. Insbesondere bei der Planung und Durchführung besonders ehrgeiziger Projekte ist Vorsicht geboten. Die Erfahrung sollte uns lehren, dass unser Gehirn gewissen Dimensionen der Komplexität nicht gewachsen ist. Wie auch! Es entwickelte sich in der Evolution nicht, um uns zu ermöglichen, erfolgreich mit Milliarden von Dollar oder Euro zu jonglieren, sondern bloß, um zu überleben. Ganz dumm kann dieser „Programmierer“ aber nicht gewesen sein – andernfalls wäre unsere Gattung schon in grauer Vorzeit ausgestorben.

Franz M. Wuketits, Professor für Wissenschaftstheorie an der Universität Wien, ist Autor von „Der freie Wille – Die Evolution einer Illusion“, Stuttgart 2007.

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