Die derzeit gängigen Medikamente wurden überwiegend in den 70er und 80er Jahren entwickelt. Dazu gehören unter anderem so genannte Kalziumantagonisten, die Blutgefäße erweitern und den Herzmuskel in den Anspannungsphasen etwas abbremsen, zum anderen ACE-Hemmer, die den Blutdruck mindern, indem sie den Widerstand in den Blutgefäßen verringern und gleichzeitig verhindern, dass der Körper zu viel Salz und Wasser speichert.
In jüngerer Zeit sind vor allem so genannte Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARBs) – darunter Medikamente wie Diovan, Atacand, Aprovel oder Micardis – auf dem Vormarsch. Sie wirken ähnlich wie ACE-Hemmer, haben aber weniger Nebenwirkungen.
Die Neuentwicklung Tekturna greift im Prinzip in den gleichen Stoffwechselprozess ein wie die etablierten ACE-Hemmer und ARBs. Dabei handelt es sich um eine komplizierte Kaskade von Hormonen und Enzymen, über die der Körper den Blutdruck reguliert. Der neue Wirkstoff unterscheidet sich von etablierten Substanzen dadurch, dass er nicht am Ende, sondern bereits am Anfang des Prozesses in das Geschehen eingreift.
„Durch die Blockade am Ursprung eröffnet ein Wirkstoff wie Tekturna eine interessante neue Option für die Hochdruck-Behandlung“, zitiert Novartis den amerikanischen Kardiologen und Harvard-Professor Marc Pfeffer. Als möglicher Vorteil für den Wirkstoff gilt die Tatsache, dass er aller Voraussicht nach auch gut mit etablierten Mitteln kombiniert werden kann und damit deren Wirkung verbessert.
Zudem gehen Fachleute davon aus, dass Renin und Angiotensin über den Einfluss auf die Gefäße hinaus negative Wirkung auf das Kreislaufsystem entfalten. Eine Blockade der Substanzen könnte daher die Risiken für Herzkreislauf-Patienten generell mindern.
