Die neueste Generation von cholesterinesenkenden Medikamenten sollte dem stagnierenden Absatz neue Impulse geben und den Pharmakonzernen eine ihrer größten Einnahmequellen dauerhaft sichern. Doch Studienresultate für das Medikament Vytorin konnten keine hohe Wirksamkeit belegen. Dies vestimmt nicht nur Patienten, sondern auch Anleger.
Cholesterin gefällig? Ungesunde Ernährung erhöht den Cholesterinspiegel. Gegen dieses Gesundheitsrisiko wurden bisher Medikamente verordnet - deren Wirkung wird jedoch in Frage gestellt. Foto: dpa
FRANKFURT. Schlechte Testresultate wecken Zweifel an dem umsatzstarken Cholesterinmedikament Vytorin der Firmen Schering
-Plough (SGP) und Merck & Co.
Zugleich werfen sie einen Schatten auf das gesamte Marktsegment der Cholesterinsenker, mit mehr als 26 Mrd. Dollar Jahresumsatz eines der lukrativsten Arbeitsgebiete der Pharmabranche.
Schering
Die beiden US-Konzerne testeten das Mittel an mehr als 700 Patienten mit erblich bedingter Erhöhung der Blutfettwerte. Dabei stellte sich heraus, dass das Kombinationspräparat die Blutfettwerte zwar stärker senkt als Zocor alleine, Ablagerungen in den Blutadern aber nicht wirksamer verhindern kann als das Standardprodukt. Damit wiederum scheint in Frage gestellt, ob eine zusätzliche Senkung der Cholesterinwerte mit Hilfe neuer Substanzen wie Zetia überhaupt Vorteile für Patienten bringt.
Sollte sich das bestätigen, würde sich das Umsatzpotenzial für Zetia und Vytorin deutlich reduzieren. Die beiden Produkte mit zusammen mehr als vier Mrd. Dollar Jahresumsatz sind sowohl für Schering
-Plough als auch für Merck & Co.
wichtige Wachstumsträger. "Schlechter hätte das Ergebnis für das Medikament kaum ausfallen können", zitiert die "New York Times" den amerikanischen Kardiologen Steven Nissen. Er empfiehlt, den Wirkstoff nicht mehr einzusetzen.
Schering-Plough
Dagegen gilt der Nachweis, dass etablierte Cholesterinsenker wie Zocor, Lipitor oder Pravachol Vorteile für Infarktpatienten oder andere Risikogruppen wie Diabetiker bieten, als relativ gut gesichert. Entsprechende Studien führten seit Anfang der 90er Jahren zu einem stetig wachsenden Einsatz dieser Substanzen, die alle zur Wirkstoffgruppe der Statine gehören. Alleine in Deutschland werden nach Schätzung des Pharmakologie-Professors Ulrich Schwabe von der Universität Heidelberg etwa 4,8 Millionen Menschen mit Statinen behandelt. Das Marktvolumen für die Substanzklasse ist inzwischen allerdings rückläufig, nachdem 2006 mit Pravachol und Zocor zwei wichtige Vertreter den Patentschutz verloren haben. Zudem läuft 2010 auch das Patent für das Spitzenprodukt Lipitor aus. Entsprechend intensiv suchen Pharmahersteller nach neuen Substanzen zur Cholesterinsenkung.
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