Mit einer inzwischen fast dreijährigen Verzögerung ist am Donnerstag das europäische Weltraumlabor „Columbus“ doch noch erfolgreich ins All gestartet. Mit an Bord der US-Raumfähre „Atlantis“, die das 880 Millionen Euro teure Labor-Modul zur Internationalen Raumstation (ISS) bringt, ist auch ein Deutscher.
HB CAPE CANAVERAL. Für den deutschen Astronaut Hans Schlegel soll die Installation von „Columbus“ an der ISS der Höhepunkt seiner Karriere werden. Dafür muss der 56-Jährige zwei Mal zu Außenbordeinsätzen ins All.
„Alle Systeme laufen“, sagte Start-Direktor Doug Lyons zu den Astronauten. „Ich wünsche euch einen erfolgreichen Flug und eine sichere Rückkehr.“ Erleichtert waren nach dem Start auch viele europäische Raumfahrtexperten, von denen 300 in Cape Canaveral waren. Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), erklärte: „Mit diesem Shuttle-Start beginnt Europas ständige Präsenz auf der ISS.
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Mit „Columbus' bekommen die wissenschaftlichen Möglichkeiten an Bord der ISS eine neue Qualität. Die jahrzehntelange Arbeit europäischer Ingenieure und Wissenschaftler hat einen weiteren Höhepunkt erreicht.“
Großer Jubel und Erleichterung herrschten auch im DLR-Kontrollzentrum im bayerischen Oberpfaffenhofen, von wo aus das Weltraumlabor künftig überwacht wird. Dabei gab es gleich zwei Mal Applaus: beim Abheben des Shuttles um 20.45 Uhr und neun Minuten später, als der große Außentank abgetrennt wurde, und die Raumfähre damit die gefährliche erste Startphase hinter sich hatte. Bis dahin hatten einige Zuschauer noch mit den Händen vor dem Gesicht gebannt zugesehen.
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Der „Columbus“-Start musste bereits mehrmals wegen technischer Probleme an der Raumfähre verschoben werden. Ursprünglich hätte das Labor bereits vor knapp drei Jahren zur ISS gebracht werden sollen, doch 2003 hatten die USA alle Shuttle-Starts vorerst gestoppt, nachdem die Raumfähre „Columbia“ abgestürzt war. Zuletzt wurde ein Starttermin im Dezember 2007 wegen Problemen mit einer Steckerverbindung am Außentank abgesagt. Insgesamt 23 Jahre wurde an „Columbus“ geplant und gebaut, wobei das Modul mehrere Male überarbeitet wurde.
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Auch am Donnerstag sah es zunächst nicht gut aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass zum Starttermin um 20.45 Uhr (MEZ) schlechtes Wetter in Cape Canaveral herrschte, lag anfangs bei 70 Prozent, später dann bei 60 Prozent. Florida lag im Einzugsgebiet der gleichen Unwetterfront, die am Dienstagabend in den USA sechs Tornados ausgelöst und mindestens 57 Menschen das Leben gekostet hatte. Dann war es zwar wolkig, Regen oder gar ein Gewitter zogen aber nicht auf.
An Bord der „Atlantis“ sind insgesamt sieben Astronauten. Sie sollen die ISS am Samstag erreichen. Die Installation von „Columbus“ soll am Sonntag beginnen. Die ganze Mission wird elf, vermutlich sogar zwölf Tage dauern. Zur ISS gehört schon seit sieben Jahren das amerikanische Forschungsmodul „Destiny“. Ein noch größeres Raumlabor, das japanische „Kibo“ (Hoffnung) soll ab März ins All gebracht werden. Dazu sind allerdings drei Flüge notwendig.
Als neuer Langzeitastronaut bleibt der Franzose Leopold Eyharts an Bord der ISS. Er löst den Amerikaner Daniel Tani ab, der nach fast vier Monaten mit der „Atlantis“ zur Erde zurückkehrt.
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