Auch wenn die Vorgänge, die bei der Metastasenbildung in den Krebszellen ablaufen, immer besser verstanden werden, bereiten gerade zwei elementare Fragen den Wissenschaftlern weiterhin Kopfzerbrechen: Was legt die Hauptschalter in der Krebszelle um? Und was bringt die ausgewanderten Brustkrebsstammzellen dazu, nach Jahren des Schlafs plötzlich zu wuchern?
„Zu den Veränderungen in den Genen muss noch etwas hinzukommen“, ist Brabletz überzeugt. Vieles deutet darauf hin, dass das Immunsystem an dieser Stelle ins Spiel kommt. „Eine chronische Entzündung in der Umgebung der Krebszellen kann Metastasen begünstigen“, sagt Anna Taranova von der Mayo Clinic Arizona. Auf dem diesjährigen Treffen der Amerikanischen Krebsforschungsgesellschaft berichtete sie, dass Asthmatikerinnen häufiger Brustkrebsmetastasen in der Lunge bekommen.
Es ist nicht die einzige Studie, die einen Zusammenhang zwischen Tumoren, deren Bösartigkeit und chronischen Entzündungen zutage förderte. Welche Tragweite diese Hinweise haben, wird erst klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass lang anhaltende Entzündungen auch durch Übergewicht, durch dauerhafte Infektionen oder allergische Reaktionen hervorgerufen werden können.
Brabletz will diese möglichen Zusammenhänge nicht erörtern. Das sei alles noch ungesichertes Neuland, sagt er. Trotz der jüngsten Erfolge: Der große Durchbruch stehe der Tumorforschung erst bevor.
