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10.05.2007 

Ein eigens eingerichtetes Ministerium für erneuerbare Energien soll dafür sorgen, dass vermehrt Alternativen zu Kohle, Gas oder Öl zum Einsatz kommen. Dessen Bürokraten hecheln der Entwicklung allerdings hinterher: Die Daten auf der Internetseite des Ministeriums sind um Jahre veraltet.

So sind es auch nicht so sehr staatliche Stellen, sondern vielmehr private Investoren, die der Windkraft in Indien zu ihrem Boom verhelfen. Viele Unternehmen wie der Autozulieferer Bharat Forge oder der Zweiradhersteller Bajaj sind die ständig steigenden Stromkosten leid und suchen ihr Heil in eigenen Windrädern. Zunehmend zeigen aber auch Versorger wie Tata Power Interesse.

Selbst Finanzinvestoren entdecken die Nische, auch ausländische: „Indien ist ein idealer Markt“, sagt Felix-Michael Weber, Geschäftsführer der Münchener Elephant Equity, „es verbindet gute Winde mit einem unstillbaren Energiehunger.“ Seine Firma installiert dort gerade 250 Megawatt. Das kommt billiger als in Deutschland, und außer Strom wirft das Projekt noch an der Börse handelbare Emissions-Zertifikate ab. Die erhalten Investoren, die in Schwellenländern erneuerbare Energien fördern und so zu einer Senkung des weltweiten CO2-Ausstoßes beitragen. „Wir erwarten höhere Renditen als in Europa“, sagt Weber und prophezeit einen Zustrom von Investoren in Indiens Windparks.

Angelockt werden Geldgeber nicht nur von Förderanreizen wie Zoll- oder Steuererleichterungen und Vorzugskrediten. In Indien hat sich zusätzlich ein weltweit einzigartiges Modell durchgesetzt, das Finanzinvestoren mögen: Hersteller bieten schlüsselfertige Windparks. Sie liefern die Windräder, suchen die Standorte, kaufen Land, verhandeln mit den Netzgesellschaften und warten die oft schwer zugänglichen Anlagen.

Dieser Dienstleistungsansatz förderte den Aufschwung der Branche. Während Windenergie in Indien vor zehn Jahren noch fast unbekannt war, hat sich das Land heute für Hersteller wie Vestas oder Enercon zum wichtigen Auslandsmarkt entwickelt. Enercon ist mit einem Viertel Marktanteil Nummer zwei. Die Deutschen machen ein Fünftel ihres weltweiten Geschäfts in Indien, beschäftigen 3 000 Mitarbeiter dort und produzieren an sechs Standorten. Im Vorjahr wuchs ihr Umsatz um 55 Prozent, und trotz starker Kapazitätserweiterungen ist die Produktion auf zwei Jahre komplett ausgebucht. „Wir sind hier auch überdurchschnittlich profitabel“, verrät Marketing-Chef Kamath.

Zugleich hat Indien mit dem heimischen Marktführer Suzlon eine neue Weltmarktgröße hervorgebracht, die mit dem Kauf der Hamburger Repower auch in Europa Fuß fassen will. Gründer Tanti denkt längst über die Heimat hinaus: „Über die nächsten 25 Jahre wird die Nachfrage vor allem von den USA und China getrieben“, glaubt er. Auch in Südafrika und Lateinamerika werde Windenergie bald entdeckt.

Tanti ist überzeugt, dass der Windboom noch Jahrzehnte anhält. „Die Welt hat einfach nicht genug fossile Rohstoffe, um ihren steigenden Energiebedarf zu decken.“ Allerdings deckt Wind erst ein Prozent des weltweiten Strombedarfs, und es ist ein weiter Weg aus der Nische: „Damit es zwanzig Prozent werden können, müssen die Kosten pro Kilowattstunde noch deutlich fallen“, gibt Tanti zu.

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