In Berliner Bundesumweltministerium verfolgen die Beamten die Entscheidungen der Schweizer mit Argusaugen. Im jüngsten Streit um den Atomenergieausstieg hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gerade wieder die Erdwärmenutzung als Alternative hervorgehoben. Seine parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug, rechnete kürzlich auf einer Fachtagung in Karlsruhe vor: „Die Erdwärmenutzung in Deutschland steht noch am Anfang. Sie ist wegen ihrer enormen Potenziale für die Zukunft im deutschen Energiemix unverzichtbar.“
Die Zahl der genehmigten oder beantragten Felder in Süddeutschland, auf denen gebohrt werden darf, bezifferte Klug auf 70 bis 80 Geothermie-Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 2 Milliarden Euro. Bundesweit schätzte sie das Investitionsvolumen auf das Doppelte. Das soll trotz der Beben in Basel zunächst so auch so bleiben. „Wir beobachten die Auswirkungen sehr genau, sehen aber keinen Grund zur Panik“, sagte ein Sprecher des Bundesumweltamtes dem Handelsblatt. Da es keine vergleichbaren Vorfälle in der Bundesrepublik gibt, gebe es zurzeit keinen Grund an der Förderpolitik etwas zu ändern.
Das freut vor allem den Bundesverband Geothermie, der ein Überschwappen der Ängste auf Deutschland befürchtet hat. Zwar werden bislang bei den Geothermie-Projekten nur heiße Wasserreservoirs in der Tiefe angezapft. Es gibt aber Forschungsprojekte in Potsdam und in Hannover, die ähnlich wie in der Schweiz auch dort die Hitze in der Tiefe zur Energiegewinnung nutzen wollen, wo kein Wasser vorhanden ist. „Da diese Vorhaben nicht in tektonisch aktiven Gebieten liegen, dürfte hier nichts passieren“, sagt Horst Rüter, Geoforscher und Präsident des Bundesverbands Geothermie.
Das in Basel genutzte Hot-Fractured-Rock-Verfahren wurde zwar schon oft angewandt, allerdings selten in Granit-Gestein, wie es sich unterhalb Basels findet. Am ehesten vergleichbar sei das Baseler-Projekt mit dem EU-Geothermie-Projekt in Soultz-sous-Forets im Elsass. Auch dort bohrten die Geologen am erdbebenanfälligen Rheingraben, allerdings ohne solche Erschütterungen wie in Basel auszulösen.
„In tektonischen Gebieten kann es immer zu leichten Beben in der Stärke wie in Basel kommen“, sagt Rüter, der über 30 Jahre die seismologische Überwachung der Auswirkungen des Steinkohle-Bergbaus im Ruhrgebiet geleitet hat. Das sei aber nicht nur ein Problem bei geothermischen Bohrungen. „Die Verantwortlichen für das Basler Projekt haben den Fehler gemacht, dies nicht deutlich zu sagen“, sagt der Geoexperte.
Die so genannte induzierte Seismizität sei ein Phänomen, das eng verbunden sei mit nahezu allen Eingriffen des Menschen in den Untergrund. Leichte Erdbeben könnten daher beim Tunnelbau ebenso auftreten wie bei der geplanten CO2-Verpressung zur Reduzierung des schädlichen Klimagases bei der Stromgewinnung mit Kohle.
„Im Grunde können die Basler froh sein“, sagt Rüter. Durch die Verpressung mit Wasser seien tektonische Spannungen gelöst worden, die – wenn sie sich weiter aufgestaut hätten – unter Umständen ein größeres Erdbeben hätten verursachen können. Das ist eine These, die allerdings von Schweizer Erdbebenforscher vehement abgestritten wird.
