Ursprünglich sollte Galileo in einer „Public Private Partnership“ gemeinsam mit der Industrie aufgebaut werden. Da sich die Konzerne nicht auf ein tragfähiges Konzept und eine Beteiligung am Risiko einigen konnten, will die EU das Projekt nun in Eigenregie übernehmen. Es wurde in sechs Einzelpakete zerlegt, mindestens 40 Prozent eines Pakets müssen an Subunternehmer vergeben werden. Die EU-Kommission übernimmt das Management, Ministerrat und EU-Parlament werden an der Kontrolle beteiligt.
Durch diese Konstruktion sei eine „klare Governance“ und die Solidarität aller EU-Institutionen gesichert, sagte Barsi-Pataky. „Wir sitzen alle zusammen in einem Boot, das hat durchaus Charme.“ Ähnlich äußerte sich die deutsche Europaabgeordnete Angelika Niebler (CSU): Der Kompromiss sei ein „riesengroßer Erfolg“. Er stelle nicht nur die Finanzierung aus EU-Mitteln, sondern auch einen „Hauch von Wettbewerb“ sicher. Davon würden vor allem mittelständische Firmen profitieren.
Der größte Auftragsschub wird jedoch nicht vom Aufbau der Satellitennavigation, sondern von neuen Anwendungen erwartet. Dabei könnte es erneut zu Streit zwischen europäischen Industriekonzernen, aber auch zwischen den EU-Staaten kommen. Während Deutschland vor allem auf eine zivile Nutzung von Galileo setzt, plant Frankreich auch militärische Anwendungen. Unklar ist zudem, wer die neuen Anwendungen anstoßen und finanzieren soll. Die EU hofft vor allem auf private Initiativen. Eine erste groß angelegte Anwender-Konferenz ist im Juni in Brüssel geplant.
