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13.12.2007 

Das heißt, Sie würden am liebsten auf Lehre verzichten?

Grünberg: Nein. Auch wenn die Laborarbeit der Kern meiner Arbeit als Wissenschaftler war und ist, möchte ich die Lehre nicht missen. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich wichtige Aspekte der Grundlagenforschung erst durch das Abhalten von Vorlesungen aufgearbeitet habe. Daher halte ich die Einheit von Forschung und Lehre für sehr wichtig. Bei der Vorbereitung von Spezialvorlesungen kann man sich zusätzlich Kenntnisse erarbeiten, die auch bei der Formulierung von Patenten wesentlich sind. Genau das ist mir nämlich bei der Vorbereitung meiner Vorlesung „Magnetische Schichtsysteme in Forschung und Anwendung“ an der Kölner Uni passiert. Wie hoch der Praxisbezug des Riesenmagnetowiderstandseffektes (für dessen Entdeckung Grünberg den Nobelpreis bekommen hat, Anm. der Red.) ist und etliche Details, die bei der Formulierung des Patentes eingegangen sind, sind mir bei dieser Vorlesung erst richtig klargeworden.

Auch wenn Sie beide wie viele Ihrer Wissenschaftskollegen für Freiheit plädieren, wird sie Ihnen in Teilen doch genommen. Wie stark darf sich der Staat einmischen, indem er beispielsweise die Geldvergabe an die Durchführung bestimmter Projekte knüpft?

Grünberg: Der Staat soll sich sogar einmischen, indem er Empfehlungen gibt – schließlich finanziert er die Forschung ja auch. Das müssen natürlich Experten mit einem guten Überblick über die Forschungslandschaft sein.

Aber sagten Sie nicht, Sie verdanken der Freiheit, ohne Einschränkungen Ihren Ideen nachgehen zu können, Ihren wissenschaftlichen Erfolg?

Grünberg: Sie haben recht, da stecke ich in einem ziemlich großen Konflikt. Den können Sie nur dadurch lösen, dass Sie entweder so hartnäckig sind wie ich und gegen den Strom schwimmen. Damit erkämpfen Sie sich Zeit für ihre wahren Interessen. Oder, wenn das nicht geht, zur Not durch Mehrarbeit: Indem sie ein Projekt für Ihren Chef und die Zahler der Drittmittel durchziehen und eines für sich.

Das klingt nicht besonders effizient. Ist der Forschungsstandort Deutschland falsch strukturiert?

Ertl: Nein, das Grundgerüst ist stabil und gut überlegt. Wir haben beispielsweise mit der Fraunhofer Gesellschaft eine Einrichtung, die größtenteils der Auftragsforschung nachkommt. Am Max-Planck-Institut wiederum haben wir für unsere Grundlagenforschung die Freiräume, die wir brauchen, um auf neue Ideen zu kommen. Und die Universitäten widmen sich neben der Forschung vor allem auch der Lehre. Wichtig ist in diesem System nur, dass die richtigen Leute an den richtigen Plätzen sind.

Grünberg: Das kann ich nur unterstreichen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Gar nicht so schlecht: der Forschungsstandort Deutschland

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