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18.11.2008 
Forschung

Gebäudetechnik im Test

von Hans Schürmann

In Duisburg hat die Zukunft schon begonnen: Firmen erproben im "inHaus2" ihre Innovationen für Hotels, Büros und Heime der Zukunft. Erstmals können Unternehmen ihre Ideen in der Praxis und zusammen mit anderen Technologien testen.

Wie wird das Altenheim für die iPod-Generation aussehen? Foto: APLupe

Wie wird das Altenheim für die iPod-Generation aussehen? Foto: AP

DUISBURG. In Duisburg hat die Zukunft schon begonnen. Auf dem Unigelände im Süden der Stadt haben Fraunhofer-Forscher zusammen mit Partnern aus der Industrie die zweite "Ideenschmiede für innovative Gebäude" in Betrieb genommen. Nach dem "inHaus1", in dem Firmen seit Jahren intelligente Gebäudetechnik im privaten Wohnbereich testen, ist das "inHaus2" eine Plattform für die Erprobung neuer Techniken in sogenannten Nutz-Immobilien. Im Mittelpunkt dabei stehen zukunftsweisende, flexible Raumkonzepte für Hotels, Büros sowie Alten- und Pflegeheime.

Bereits bei der Errichtung des Gebäudes haben die Firmen die Chance genutzt, neue Techniken in die von Hochtief geplante und erstellte Immobilie zu integrieren. So wurden verschiedene Fassadenkonzepte miteinander verknüpft, die helfen sollen, Energie zu sparen und ein angenehmes Raumklima zu erzeugen. Erstmals in Deutschland wurde eine sogenannte thermisch aktive Stahlbetondecke eingebaut, die zu jeder Zeit ein perfektes Klima bieten soll.

Ob das in der Praxis wirklich so klappt, wie sich das die Entwickler vorstellen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. In den Mauern und Wänden wurden zahlreiche Sensoren integriert, die über ein Funknetz miteinander verknüpft Informationen über die Temperatur und Feuchte liefern. Ein Team von Forschern wird diese Daten in den nächsten drei Jahren auswerten und beobachten, wie sich die unterschiedlichen Techniken bewähren und ob das Zusammenspiel der verschiedenen Innovationen funktioniert.

"Die Möglichkeit, verschiedene Technologien und Prozesse in der Praxis zu erproben und deren Nutzen über einen längeren Zeitraum wissenschaftlich zu erforschen, ist bundesweit einmalig", sagt Bernhard Bürklin, Leiter der Hochtief-Abteilung Corporate Projects. Die Ergebnisse könnten beim Bauen in der Zukunft richtungweisend sein, so Bürklin.

Zum ersten Mal konnten die Baufirmen auch Komponenten für eine sogenannte intelligente Baustelle in der Praxis erproben - vom elektronischen Lieferschein, über RFID-Funk-Etiketten zur berührungslosen Erfassung der angelieferten Waren bis hin zur digitalen Gebäudeakte. Hochtief und T-Systems nutzen die Techniken nun bereits auf der nächsten Großbaustelle: der Elbphilharmonie in Hamburg.

Zumindest im bautechnischen Sinne sei das Gebäude nun fertig, sagt Klaus Scherer, Leiter des "inHaus"-Innovationszentrums in Duisburg. "Im Sinne von Forschung und Entwicklung sind wir natürlich noch lange nicht am Ende. Jetzt beginnen die Projekte mit den Anwendungspartnern", so der Fraunhofer-Mann.

Die ersten der sogenannten Labs sind aufgebaut, und in den nächsten Monaten sollen nach und nach weiter hinzukommen. Im obersten Stock des Gebäudes entwickeln die Firmen zusammen mit den Forschern auf einer Fläche von 600 Quadratmetern verschiedene Anwendungsszenarien für das Hotel der Zukunft.

Bereits fertig ist das sogenannte FutureHotel-Showcase, eine Verknüpfung verschiedener Gebäudetechniken, die es bereits heute gibt, die bislang aber noch nicht im Zusammenspiel getestet worden sind. Das rund 38 Quadratmeter große Zimmer überrascht mit einem ungewöhnlichen, futuristischen Design: Keine graden Wände, Ecken und Kanten, sondern runde Form und weiche Linien bestimmen die Gestaltung des Raumes. "Die Formen wirken sich laut wissenschaftlicher Studien positiv auf das Wohlbefinden des Menschen aus", erläutert Vanessa Borkmann, die den Raum zusammen mit ihren Kollegen am Fraunhofer IAO entworfen hat.

Angenehm ist auch die Beleuchtung: Ein Netz von 3 000 Leuchtdioden in der Decke erzeugen ein "Wohlfühllicht" mit unterschiedlichen Farben, das ständig wechselt. Sensoren im Boden erkennen, wie sich der Hotelgast im Zimmer bewegt, und sorgen automatisch für die passende Beleuchtung. Das sei besonders angenehm in der Nacht, so die IAO-Projektleiterin: "Dann führt eine dezente Punktbeleuchtung den Gast sicher auf dem Weg zur Toilette."

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