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28.02.2007 
Bildung

Hirnforscher: Frühförderung im Kindergarten kommt zu kurz

dpa HEIDELBERG/ULM. Die Frühförderung im Kindergarten kommt nach Ansicht des Ulmer Hirnforschers Manfred Spitzer trotz aller politischen Anstrengungen noch immer zu kurz.

„Dafür wird nach wie vor überhaupt nicht genug getan“, kritisierte Spitzer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) im Vorfeld der EU- Bildungsministerkonferenz an diesem Donnerstag und Freitag in Heidelberg. „Man geht davon aus, dass sich alles schon richtet.“ Andere europäische Länder seien wie Frankreich und Skandinavien seien da weiter als Deutschland.

Die Förderung der Kleinen sei im Grunde „ganz simpel“, betonte der Ärztliche Direktor der Ulmer Universitäts-Klinik für Psychiatrie. „Wenn sie Spaß daran haben, wenn sie aufmerksam dabei sind, ist es richtig, was man macht. Wenn es sich abwendet und alles ganz furchtbar findet, stimmt etwas nicht.“ So könne ein Philosophie- Professor seinem Baby auch ruhig Schriften des Philosophen Immanuel Kant vorlesen, sagte Spitzer. „Es geht ja nicht darum, dass es Kant lernt - sondern es hört die schöne deutsche Sprache und merkt, dass der Vater Spaß am Vorlesen hat.“

Die Gefahr, dass die Kinder überfordert werden, sieht der Psychiater nicht: „Babys sind doch wahre Lernwunder. Wenn die Kinder aber erst in der Schule sind, ist längst alles zu spät.“ Wichtig ist nach Spitzers Ansicht jedoch eine möglichst praktische Förderung. „Einen Kuchen backen, Lieder singen oder Reime aufsagen, um ein Gefühl für Sprache zu bekommen - das ist gut. Das Alphabet oder die Planeten beibringen - das brauchen wir im Kindergarten nicht.“

Auch zu Hause sollten die Kleinen nicht nur vor dem „Baby- Fernsehen mit dieser Klang- und Bildersoße“ sitzen, rät Spitzer. „Was vom Bildschirm kommt, riecht nicht und schmeckt nicht, es ist nur laut und bunt - gerade einmal zwei Sinneskanäle werden angesprochen. Da wird bei kleinen Kindern viel Zeit vertan.“

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