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23.11.2008 
Technikarchitektur

Intelligent wohnen

Türen öffnen aus dem Ausland, Energieverbrauch und Kosten in Echtzeit abrufen, Aufnahmen der Videokamera per WLan auf den Laptop laden: Achim Berg, Deutschland-Chef von Microsoft, hat sich den Traum vom intelligenten, selbstbestimmenden Haus erfüllt. Eines musste er aber mit der Zeit lernen: Empathie ist fast ebenso wichtig wie technisches Know-how.

Deutschland-Chef von Microsoft, Achim Berg: Die Technik ist überall. Foto: Kai JabsLupe

Deutschland-Chef von Microsoft, Achim Berg: Die Technik ist überall. Foto: Kai Jabs

Die Gruppe der Überraschungsei-Genießer teilt sich seit Kindertagen in jene, die eine Gebrauchsanleitung brauchen, um die Steckspiele zusammenzufriemeln, und jene, die es auf gut Glück versuchen – und hinkriegen. Und dann gibt es noch die sehr kleine Gruppe derjenigen, die Überraschungseifiguren selbst zusammenbringt, die Mechanik verbessert – und nie mit einem Gebrauchsanweisungsleser zusammen das Ei teilen würde. Weil: Anleitung lesen ist Bankrott.

Achim Berg, Microsoft Deutschland Chef, ist so ein Rigider. „Eine Gebrauchsanleitung lesen zu müssen ist der Gau“, sagt er und in diesem Fall merkt man, dass „größter anzunehmender Unfall“ kaum übertrieben ist. Für Berg sind Gebrauchsanleitungen etwas für Schwachmaten, Langsame, Normale. Niemals, nie würde er so ein Ding in die Finger nehmen, seine Leidenschaft, sein Leben gehört nicht dem Unternehmen, nicht seinem Sport, nicht nur seiner Familie, sein Leben gehört der Technik. Und tatsächlich ist er ein Technik-Ver-Rückter, ganz und gar, im Wortsinn.

Achim Berg, Wirtschaftsinformatiker und Absolvent des „European Potential Management Program“ der Wirtschaftshochschule Berlin. Seine beruflichen Stationen: Dell Deutschland, Fujitsu Siemens Computer, Guideguide, Deutsche Telecom, heute Microsoft.

Vervollständigt wird seine Vita, wenn man weiß, dass er ein Jahr Auszeit nahm, um für den kranken Sohn und die kranke Ehefrau da zu sein. Ebenso vervollständigt wird diese Tatsache, wenn man weiß, dass er sich am Ende des Sabbaticals – ehrlich gesagt – tödlich langweilte – und es heute dennoch für unverzichtbar hält.

Achim Berg ist ein Technikverrückter. Und doch ist er ganz anders.

Denn eigentlich fangen Geschichte über Informatik- und Technikverrückte immer gleich an:

Nämlich mit einem Nerd, der gern Pizza isst, nachts arbeitet, ein sozialer Semi-Autist ist – und fertig ist das Klischee. Und natürlich hat er eine vollautomatische Küchenherdplattenregelung, falls ihm auf den Malediven einfällt, nicht abgeschaltet zu haben. Und natürlich hat jedes Zimmer, auch das Bad, auch die Speisekammer, einen Plasmafernseher. Ach, man kann so viel Verschrobenes aufzählen, so lange, bis alle Überraschungseigebrauchsanleitungsleser denken: wie gut, dass ich nicht so bin, sondern noch echt. Noch menschlich. Noch mit allen Sinnen ausgestattet.

Was passiert, wenn man jetzt behaupten würde: Achim Berg ist ein durch und durch echter, sinnlicher, menschlicher Mann?

Natürlich findet man in seinem Haus jede Menge technischen Spielkram: die Haustür geht nur per Fingerabdruck auf. Oder per Zahlencode. Dafür kann man sie auch von Honolulu aus öffnen, wenn man die entsprechenden Zahlencodes im Hirn hat und sie per Handy durchgibt.

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