Die Veröffentlichung der französischen Forscher 1983 zeigte erstmals das elektronenmikroskopische Bild eines bis dato unbekannten Virus, das unter strengem Tatverdacht stand. Isoliert hatten es die Wissenschaftler von einem 33-jährigen Homosexuellen, der unter einer Erkrankung der Lymphknoten sowie allgemeiner körperlicher Schwäche litt. Wie „Patient 0“ führte er ein intensives Sexualleben mit jährlich mehr als 50 Geschlechtspartnern in Nordafrika, Indien, Griechenland und den USA.
Der endgültige Beweis, dass es sich bei dem isolierten Virus tatsächlich um den Übeltäter handelte, gelang den Forschern um Montagnier im Oktober 1984. Einspruch kam prompt aus den USA: Der Virologe Robert Gallo von den National Institutes of Health in Bethesda hatte wenige Jahre zuvor die Gruppe der menschlichen Retroviren - die als Erbsubstanz ein RNA-Molekül besitzen - aufgespürt und reklamierte für sich, den Aids-Erreger nun ebenfalls dingfest gemacht zu haben. Es begann eine unschöne Auseinandersetzung über den Atlantik hinweg, der mit dem Kompromiss endete, dass die Ehre der Entdeckung zu gleichen Teilen Frankreich und Amerika gebührt.
Inzwischen hatte sich das Humane Immunodefizienz-Virus - wie der Erreger nun genannt wurde - als ausgesprochen heimtückischer Geselle entpuppt: Übertragen durch Geschlechtsverkehr oder Blutkontakt, dringt es in die so genannten T-Helferzellen des Immunsystems ein und legt damit die körpereigene Verteidigung lahm. Die Patienten leiden dann an Infektionskrankheiten, die normalerweise durch das Immunsystem in Schach gehalten werden.
1985 gelang es den Forschern um Gallo, einen HIV-Test zu entwickeln, mit dem Blutkonserven kontrolliert werden konnten. 1987 kam mit Retrovir das erste Aids-Medikament auf den Markt, welches das Virus zwar nicht vernichten, wenigstens aber kontrollieren konnte. Die 1990er Jahre ließen mit der „hochaktiven antiretroviralen Therapie“ (Highly Active Anti-Retroviral Therapy; HAART) neue Hoffnung aufkeimen. Den Patienten werden damit etliche Lebensjahre geschenkt - heilbar ist die Seuche damit aber immer noch nicht.Lesen Sie weiter auf Seite 3: 25 Millionen Tote später
