Sie sind das Herzstück der Hybridfahrzeuge: Batterien. Ihre Weiterentwicklung entscheidet über den Erfolg der Modelle. Der Kampf unter den Zulieferern um die beste Technologie ist längst entbrannt. Die Amerikaner fahren vorweg - noch.
Die Entwickler feilen an der Leistung und Sicherheit der Autobatterien.
STUTTGART/DÜSSELDORF. Im Wettlauf um die beste Batterie haben sich längst Allianzen formiert: Der US-Hersteller General Motors arbeitet mit dem Hannoveraner Zulieferer Continental
zusammen, Volkswagens Tochter Audi mit dem japanischen Elektronikkonzern Sanyo. Renaults japanischer Partner Nissan will gemeinsam mit dem Elektronikkonzern NEC im kommenden Jahr mit der Massenfertigung von Lithium-Ionen-Batterien für umweltfreundlichere Autos beginnen. "Die Elektronik-Kompetenz liegt ganz klar bei den Zulieferern. Der Kampf zwischen ihnen um die Vormachtstellung bei der Lithium-Ionen-Technologie ist voll entbrannt", sagt Christoph Schindler, Automobilexperte des Beratungsunternehmens BBK Europe.
Infografik: Batterien als Herzstück der Hybridfahrzeuge
Wie schnell der Elektro- den Verbrennungsmotor teilweise oder gar ganz ersetzen wird, hängt indes vor allem von der Leistungsfähigkeit und der Sicherheit der Batterien ab. Egal ob zunächst als Hybridvariante, die Verbrennungs- und Elektroantrieb kombiniert, als Elektroauto mit kleinerem Verbrennungsmotor, der als Stromgenerator dient, oder als reines Elektroauto - die Batterie und ihre Steuerung sind die Schlüsseltechnologie, die weiterentwickelt werden muss. Das Rennen von Herstellern und Zulieferern um sie ist in vollem Gange. Die deutschen Hersteller hinken bei der aktuellen Batteriengeneration hinterher - und das bei einer ehemals deutschen Domäne. Autobatterien wurden hierzulande über Jahre stiefmütterlich als austauschbares Standardteil im Automobilbau behandelt. Namhafte Firmen wie Varta sind längst in ausländischer Hand. Jetzt kommt der Batterietechnik eine noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehaltene Bedeutung zu. Ihre Leistung entscheidet in Zukunft über Geschwindigkeit und Reichweite der Autos.
Allerdings hat die Technologie der heute favorisierten Lithium-Ionen-Variante wenig mit den Bleibatterien vergangener Jahre gemein. Die Vorteile der Lithium-Ionen-Akkus liegen für die Hersteller auf der Hand: Die Energiedichte ist fünfmal größer als bei herkömmlichen Batterien. Entsprechend sind sie kleiner und leichter. Zudem ermöglichen sie größere Reichweiten.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kein Sprint, ein Triathlon
"Das Rennen um die beste Batterie für den Elektrobetrieb ist kein Sprint, das ist ein Marathon oder gar Triathlon", sagt Bernd Bohr, Chef der Automobilsparte des weltgrößten Zulieferers Bosch. Die Schwaben wollen in die Batterieproduktion einsteigen. "Bei der nächsten Generation , wenn es ernst wird, sind wir dabei", sagt Bosch-Forschungschef Siegfried Dais. Bislang konzentrierten sich die Stuttgarter auf das Energiemanagement wie in der 2009 auf den Markt kommenden Hybridversion des Geländewagens Porsche Cayenne. Branchenexperten sehen Anbieter vorn, die Batterien und Komponenten aus einer Hand anbieten. Bosch-Chef Franz Fehrenbach kündigte entscheidende Schritte für die nächsten Wochen an. Als möglicher Partner gilt der Chemieriese BASF.
Noch fahren die Amerikaner bei der neuen Technologie vorweg: Mitte 2009 bringt Mercedes Benz sein Flaggschiff S-Klasse als erstes Serienauto mit Hybridantrieb auf Lithium-Ionen-Basis auf den Markt - das Energiemanagement stammt von Continental
, die Batterien werden allerdings vom US-Zulieferer Johnson Controls produziert. Die Amerikaner haben Anfang des Jahres die erste Lithium-Ionen-Serienfabrikation in Frankreich gestartet.
Verschiedene Ansätze der Autobauer und vorerst geringe Stückzahlen machen Entwicklung und Produktion von Elektrosystemen für die Zulieferer zu einem Kostenproblem. Continental
konzipiert einen skalierbaren Baukasten, mit dem das Unternehmen gut 80 Prozent der Nachfrage abdecken will. Die Niedersachsen sehen den Schwerpunkt im Gegensatz zum Rivalen Bosch in der Systemintegration - und wollen die Batterietechnik weiter zukaufen.
