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16.05.2008 
Innovation für den Sport

Maschinen drillen Fußballstars

von Harald Czycholl

Beim Tennis, Baseball oder Hockey sind sie längst selbstverständliche Trainingspartner. Nun sollen Ballwurfmaschinen auch dabei helfen, die Technik von Fußballern zu verbessern. Ein Ballwurfgerät aus Berlin verbessert die Technik von Kickern – Europas Top-Klubs zeigen Interesse.

Ball im Netz: Der Footbonaut hat das Interesse von Europas Top-Klubs geweckt. Foto: rtrLupe

Ball im Netz: Der Footbonaut hat das Interesse von Europas Top-Klubs geweckt. Foto: rtr

KÖLN. „Footbonaut“ heißt das von dem Berliner Tüftler Christian Güttler entwickelte Gerät – er vermarktet es über seine Firma C-Goal. Traditionsklubs wie Real Madrid und Bayern München zeigen Interesse an der High-Tech-Erfindung.

Beim Footbonaut werden acht Wurfmaschinen an den Seiten eines 14 mal 14 Meter großen Spielfeldes platziert. Ein Piepton kündigt an, welches der Geräte einen Ball abschießt. 72 Felder umgeben den Platz in einem Gitterwerk, jedes zwei Quadratmeter groß und von roten Lichtleisten umrandet. Der Spieler muss den Ball annehmen und in das Feld schießen, das gerade aufleuchtet. „Wir können einen Spieler bis zu zwei Sekunden schneller machen“, verspricht Güttler. Im Profi-Fußball ist das eine halbe Ewigkeit.

Herzstück der Ballwurfmaschine ist die Steuerungs-Software. Sie ermöglicht nahezu grenzenlose Trainings-Varianten: Winkel, Geschwindigkeit, Schnitt und Zeitabstände – jedes noch so kleine Detail lässt sich einstellen, damit Spieler an ihren Schwächen arbeiten können. Das ergibt nach Einschätzung des Kölner Sportwissenschaftlers Stephan Nopp nicht nur im Nachwuchsbereich, sondern auch als Trainingsergänzung bei den Profis Sinn.

Der 38-jährige Erfinder Güttler hat bereits mit einem möglichen Käufer verhandelt. Wer das ist und wie viel die Anlage kosten wird, verrät er noch nicht. Nur so viel: Einen hohen sechsstelligen Betrag muss der Verein auf jeden Fall investieren. „Wenn die Klubs merken, dass es etwas bringt, dann werden sie es sich auch leisten“, sagt Güttler.

Dass es sich um eine lohnende Investition handelt, davon ist Sporthochschul-Vertreter Nopp überzeugt: „Die Anlage bedeutet in der Trainierbarkeit von Ballannahme und -kontrolle, der Passgenauigkeit und Schusstechnik eine neue Dimension.“ Nopps Einschätzung wird von drei Probanden, die die Anlage regelmäßig testen, bestätigt. Einer von ihnen ist Tom Trybull. Der 15-jährige Nachwuchskicker des Drittligisten Union Berlin hält momentan den Footbonaut-Rekord – 40 Bälle in Serie hat er ohne Fehlschuss ins richtige Quadrat geschossen. „Ich bin schneller und präziser geworden“, sagt er. Bereits zehn Trainingseinheiten im Footbonaut hätten ihn enorm weiter gebracht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Werden Bremen ist interessiert

Die Idee, Spielgeschwindigkeit im Fußball festzustellen und zielgerichtet zu trainieren, kam dem Berliner vor zehn Jahren. Er führte zahlreiche Gespräche mit Trainern und Spielern, wälzte Literatur über moderne Trainingsmethoden. Rund 3,8 Mill. Euro steckte er in die Entwicklung, ohne dass ihm Klubs oder Ausrüster zur Seite standen. Jetzt baut und vertreibt C-Goal den Footbonaut in Eigenregie.

Jahrelang geschlafen habe der Fußball in punkto Trainingswissenschaft, kritisiert Güttler. Das ändert sich – der Footbonaut findet prominente Fans. Thomas Schaaf und Klaus Allofs, Trainer und Manager von Werder Bremen, die an diesem Wochenende Vize-Meister werden wollen, haben nach einem Besuch ihr Interesse signalisiert. Auch Jürgen Klinsmann, ab der nächsten Saison Coach des neuen Meisters Bayern München, holte bereits Informationen ein. Bernhard Peters, Sportdirektor des aufstrebenden Fußball-Zweitligisten 1899 Hoffenheim, würde die Anlage gerne erwerben.

Allerdings wünscht der frühere Hockey-Trainer, der die Nationalmannschaft der Herren zuletzt zum Weltmeister-Titel führte, noch eine kleine Veränderung: Peters möchte die Spielfläche des Footbonaut an die Originalgröße des Strafraums anpassen. „Das wäre sehr interessant für das Training von Stürmern und eventuell auch für das Torwarttraining.“

Demnächst werden Vertreter von Real Madrid, dem FC Barcelona und der italienischen Nationalmannschaft auf dem Berliner Firmengelände erwartet. Der DFB schickte den Manager des Nationalteams Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke. Beide zeigten sich begeistert. Bei der Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz wird die Anlage allerdings wohl noch nicht zum Einsatz kommen.

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