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09.07.2008 
Neue Süßstoffe

Molekulare Zungen schmecken Süßes

von Susanne Donner

Das hessische Biotechnologie-Unternehmen Brain hat „molekulare Zungen“ für das Reagenzglas entwickelt, die Süßes in allen möglichen Substanzen aufspüren. Mit Erfolg: Rund 50 neue, natürliche Süßstoffe konnten bislang aufgespürt werden. Den Herstellern von Lebensmittelzusatzstoffen winkt ein Millionengeschäft.

Süßer Erfolg: Die "molekularen Zungen" versprechen ein Millionengeschäft zu werden. Foto: dpaLupe

Süßer Erfolg: Die "molekularen Zungen" versprechen ein Millionengeschäft zu werden. Foto: dpa

BERLIN. Es müssen wagemutige Vorfahren gewesen sein, die die Süße von Zuckerrüben und Honig entdeckten. Sie scheuten sich nicht, unbekannte Wurzeln und Substanzen in den Mund zu nehmen, obwohl sie dieser Selbstversuch das Leben hätte kosten können. Heute setzt niemand mehr seine Gesundheit aufs Spiel, um Süßes aufzuspüren. Das hessische Biotechnologie-Unternehmen Brain hat molekulare Zungen für das Reagenzglas entwickelt, die den beliebten Geschmack in allen möglichen Substanzen „heraus schmecken“.

Seit Jahren kooperiert Brain mit dem Süßstoffhersteller Nutrinova, der zur Celanese-Gruppe gehört. Jetzt berichteten beide erstmals über die Ergebnisse ihrer bis dato inhaltlich vertraulich gehaltenen Zusammenarbeit: Der Anbieter von Lebensmittelzusatzstoffen hat mit den molekularen Zungen rund 50 neue natürliche Süßstoffe entdeckt. Diese bestehen aus Eiweißbausteinen und unterscheiden sich damit grundlegend von allen bisher bekannten süßen Zutaten.

Unter den Neuentdeckungen sind auch Süßkraftverstärker, die selbst zwar nicht süß schmecken, aber den Geschmack von Zucker potenzieren. Solche Substanzen waren bis dato unbekannt. Getränkehersteller könnten mit Hilfe der Verstärker den Zuckergehalt senken, ohne dass ihr Produkt an Süße einbüßt.

Etwa ein Dutzend der neuen Substanzen wird Nutrinova nun daraufhin prüfen, ob sie für den Menschen unbedenklich sind. „Das wird zwar ein, zwei Jahre dauern. Wir hoffen aber, dass wir dann ein oder mehrere neue Produkte präsentieren können“, so Eckhart von Haefen, Geschäftsführer von Nutrinova. Die Hoffnungen sind so groß, dass dem Hersteller von Lebensmittelzusatzstoffen die Kooperation mit der Biotech-Schmiede einige Millionen Euro Wert ist.

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