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26.06.2008 
Planetenforschung

Monster-Crash formte den Mars

Der Mars präsentiert Beobachtern zwei völlig unterschiedliche Gesichter: Während sich die Südhalbkugel rau und zerklüftet zeigt, gehört der Norden zu den flachsten Regionen im Sonnensystem. Jetzt sind Wissenschaftler einer Katastrophe auf die Spur gekommen, die das Phänomen erklärbar macht.

Vor vier Milliarden Jahren war der Mars Schauplatz einer gewaltigen Katastrophe. Illustration: NatureLupe

Vor vier Milliarden Jahren war der Mars Schauplatz einer gewaltigen Katastrophe. Illustration: Nature

HB. LONDON. Astronomen haben auf dem Mars die mit Abstand größte Einschlagspur eines Asteroiden in unserem Sonnensystem identifiziert. Das Borealis-Becken auf dem Roten Planeten zeuge von einer gigantischen Kollision vor rund vier Milliarden Jahren, berichten drei Forschergruppen im britischen Fachjournal "Nature". Damit konnten die Forscher eines der größten Rätsel in der Geschichte der Marsforschung lösen: Seit Jahrzehnten fragen sich Wissenschaftler, warum die Nordhalbkugel des Roten Planeten so glatt und eben ist, die Südhalbkugel hingegen so rau und bergig

Das Borealis-Becken auf der Nordhalbkugel dehnt sich über rund 40 Prozent der Mars-Oberfläche aus und ist so groß wie die irdischen Kontinente Europa, Asien und Australien zusammen. Es gehört zu den flachsten Regionen im Sonnensystem. Manche Forscher nehmen an, dass es früher einen Ozean beherbergte. Die Südhalbkugel des Roten Planeten ist dagegen stark zerklüftet und liegt vier bis acht Kilometer höher als das Becken. Seit die "Voyager"-Sonden in den späten 1970er Jahren Bilder vom unterschiedlichen Charakter der Mars-Halbkugeln zur Erde funkten, hatten Astronomen über die Ursachen gerätselt. Diskutiert wurde ein gigantischer Asteroideneinschlag ebenso wie die Möglichkeit, die Unterschiede könnten durch interne geologische Prozesse entstanden sein.

Den jetzt veröffentlichten Modellrechnungen zufolge kann ein Einschlag die Formation am besten erklären. Der Mars wurde demnach vor spätestens 3,9 Milliarden Jahren von einem rund 2000 Kilometer großen Objekt getroffen - das ist größer als der Kleinplanet Pluto, wie Forscher um Jeffrey Andrews-Hanna vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) berichten. Astronomen diskutieren den Angaben zufolge nur zwei größere Kollisionen im Sonnensystem: Als kontrovers gilt ein möglicher gigantische Einschlag auf dem sonnennächsten Planeten Merkur, als weitgehend gesichert dagegen, dass ein bis zu marsgroßes Objekt in der Frühzeit des Sonnensystems den Mond aus der Erde geschlagen hat. Beide Ereignisse waren jedoch so katastrophal, dass keinerlei Spuren mehr erhalten sind.

Die größten erhaltenen Einschlagbecken sind nach dem Borealis-Bassin das 2400 mal 1800 Quadratkilometer große Hellas-Bassin auf dem Mars und das 2100 mal 1500 Quadratkilometer große Südpol-Aitken-Bassin auf dem Mond.

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