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28.02.2008 

Die Pflanzen senden ihr Duftsignal aber nur, wenn sich tatsächlich ein Schädling an ihnen zu schaffen macht. Dadurch verhindern sie, dass die Insekten die Duftstoffe im Alltag dazu missbrauchen, um die Wirtspflanzen zu orten. „Voraussetzung für diese situationsbezogene Duftproduktion der Pflanzen ist, dass sie erkennen, wann sie gebissen werden und wer sie angreift“, sagt Wilhelm Boland vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena.

Kiefern registrieren die Eier der schädlichen Blattwespe über den Kleber, den die Insekten verwenden, um ihre Eier an den Nadeln zu befestigen. Andere Pflanzen erkennen ihre Parasiten an der Wunde, die diese ins Blatt nagen. Aber auch am Speichel können sie Raupen, Milben und Läuse identifizieren. Die Spucke der Spinnmilben führt dazu, dass die Pflanzen besonders viel Methylsalicylat und Terpene absondern und damit kleine, räuberische Spinnen herbeilotsen, die die Spinnmilben fressen.

Ein bloßes Einreißen der Blätter genügt noch nicht für einen Hilfeschrei – zumindest bei Tabakpflanzen. Erst als die Forscher aus Bolands Gruppe einen Roboterwurm konstruierten, der den Raupenspeichel des Tabakschwärmers abgab, produzierte die Pflanze Duftstoffe, um Wespen anzulocken, die die Raupen töten. Mit ihrem Bouquet warnte die befallene Tabakpflanze sogar gesunde Nachbarn. Diese sendeten daraufhin ebenfalls das Duft-SOS-Signal. Solidarisch schreien Pflanzen derselben Art gemeinsam um Hilfe und erhöhen damit die Chance, von Nützlingen gehört zu werden. „Das ist für mich das raffinierteste Phänomen. Diese Art der Kommunikation zwischen Pflanzen geht sehr schnell, binnen einiger Minuten. Es ist der Informationshighway der Flora“, begeistert sich Boland. Wie die Pflanzen den Duft ihrer Nachbarn riechen, ist allerdings bislang unbekannt.

Wenn der Mensch sich die Pflanzensprache aneignen könnte, wäre er in der Lage, Äcker, Plantagen und Nutzwälder auf natürliche Weise besser vor Schädlingen zu schützen. „Das ist sicher ein Fernziel“, so Boland. Zumal viele Nutzpflanzen wie Gurken, Tomaten und Baumwolle infolge der Hochleistungszüchtung ihre Fähigkeiten als Parfümeur eingebüßt haben und daher besonders empfindlich gegen Schädlinge sind, wie Chemieökologen vermuten.

Aus wirtschaftlicher Perspektive gibt es allerdings noch ein Problem: Die Erzeugung des Dufts ist an die Photosynthese, die Energiegewinnung aus Sonnenlicht, gekoppelt. Bei den befallenen Kiefern, die Duftnotrufsignale sendeten, war die Photosynthese deutlich messbar vermindert, wie Hilker nachweisen konnte. Der Aufwand für die Abwehr schwächt den Baum, vielleicht wächst er sogar langsamer. Das ist nicht im Interesse der Landwirte.

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