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15.07.2007 
Interview mit Christopher Bangle, BMW-Designchef

„Qualität kennt kein gut genug“

von Das Gespräch führte Thomas Katzensteiner, Wirtschaftswoche

BMW-Designchef Christopher E. Bangle im Gespräch über Formensprache und den Trick, die Zukunft eines Autos mit seiner Herkunft zu verbinden. Denn für ihn ist klar: „Markenkultur wird immer wichtiger.“ Davon zeugt auch seine besondere Verbindung zu Ikea und die Liebe zu seinen Puma-Sneakern.

Chris Bangle, BMW-Chefdesigner.Lupe

Chris Bangle, BMW-Chefdesigner.

Christopher Bangle, 50, ist Designchef der BMWGroup, zu der neben BMW auch die Marken Mini und Rolls-Royce gehören. Bangle begann seine Karriere in Europa 1981 als Innenraumgestalter bei Opel. Von 1985 bis 1992 arbeitete er im Fiat Centro Stile, zuletzt als Direktor des Designstudios.

Wirtschaftswoche: Herr Bangle, Sie und Ihre Kollegen sind als bestes Designteam mit dem Red-Dot-Award ausgezeichnet worden...

Christopher Bangle: Cool, nicht?

Ist das eine späte Genugtuung dafür, dass Ihre Designlinie bei BMW zu Beginn selbst unter absoluten Fans nicht nur für Verzückung gesorgt hat?

Kritik gibt es immer und Diskussionen auch. Aber Genugtuung, nein, das nicht. Wir haben uns damals mit dem Vorstand bewusst für die neue Designlinie entschieden, und ich bin stolz darauf, was das ganze Team geleistet hat. Das Schöne ist, dass der Red-Dot-Award nicht nur für Automobildesign steht, sondern für gutes Design im Allgemeinen. Das zeigt, dass das Team draußen als Designteam wahrgenommen wird und nicht nur als Teil eines erfolgreichen Automobilherstellers.

In der Autobranche haben Sie als Designer mit sehr langen Lebenszyklen zu kämpfen. Sie brauchen heute schon eine Idee davon, was in vier, fünf Jahren den Kundengeschmack treffen könnte. Wie geht das?

Wenn ich dort drüben durch die Tür gehe (zeigt auf eine Tür im Designzentrum), bin ich sofort im Jahr 2010. Dort können Sie all die Modelle sehen, die wir schon beschlossen haben. Wenn Sie mich fragen: Wie sieht 2011 aus? Dann muss ich Ihnen sagen: Auf dieser Seite der Tür ist das schwer zu sagen.

Und - was ist der Trick?

Die Zukunft eines Autos ist mit seiner Herkunft verbunden. Und zwar nicht nur mit den BMWs von vor 50 Jahren, sondern auch mit den aktuellen Modellen oder denen, die in zwei oder drei Jahren kommen. Nehmen Sie den 3er-BMW, das ist ein ikonenhaftes Fahrzeug mit einer eigenen Historie. Darauf wird natürlich auch ein neues Modell immer aufbauen.

Demnach müsste es ja leichter sein, ein Auto zu entwerfen als etwa ein Handy.

Ein Mobiltelefon ist ein komplexes Designobjekt, keine Frage. Aber ein Auto als Designobjekt ist das zweifellos auch. Eine riesige Zahl von Teilen muss sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Niemand baut einen einzelnen Schalter aus und schaut, ob er gut designt ist. Muss er aber sein! Der ganzheitliche Aspekt des Automobildesigns überschattet die individuelle Designleistung. Darum ist es gerade beim Auto so wichtig, dass das Team funktioniert. Jeder muss hinter seiner individuellen Leistung zurücktreten, damit sich das Ganze harmonisch zusammenfügt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Makrotrends kommen nicht zwingend aus der Autowelt.“

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