Sollte etwas schief gehen, lässt sich das Manöver abbrechen und neu starten. Dafür sorgt das sogenannte „intelligente autonome Sicherheitssystem“: Es fährt den ATV bei kleinsten Abweichungen automatisch in seine letzte Position zurück und lässt ihn dort so lange verharren, bis eine Systemprüfung abgeschlossen ist. Erst dann kann ein neuer Annäherungsversuch starten. Ist das Manöver geglückt, verbinden sich alle elektrischen und mechanischen Anschlüsse sowie die Flüssigkeitsleitungen zwischen ISS und ATV – womit der Transporter zum Bestandteil der Raumstation wird.
Nachdem die Astronauten die Fracht über die Luke von einem Meter Durchmesser in die ISS entladen haben, bekommt der leere ATV-Frachter eine neue Funktion: Die leere Riesenbüchse wird zum orbitalen Müllschlucker für alte Teile und was sonst noch beim Leben im All anfällt. 6,5 Tonnen an verbrauchtem Material kann die Tonne von der ISS wegtransportieren. „Zum Abschluss seiner Mission wird der Raumtransporter von der Station abgetrennt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verbrennt er dann“, erläutert Menking. Müllschlucken und Müllverbrennen geschehen quasi in einem Aufwasch.
Die Entwicklung des ATV hat etwa eine Milliarde Euro gekostet. Die Europäische Weltraumorganisation Esa hat bereits sechs Raumtransporter bestellt. Es wird erwartet, dass auch die amerikanische Weltraumorganisation Nasa nach dem Ende der Shuttle-Flüge 2010 Interesse zeigt, denn die ISS muss weiter mit Teilen, Wasser, Treibstoff, Lebensmitteln und wissenschaftlichem Gerät versorgt werden.
Bislang werden dafür russische Progress-Transporter und recht teure und anfällige US-Raumfähren eingesetzt. Ein Shuttle kann neben der Besatzung zwar noch 20 Tonnen Nutzlast befördern, dafür kostet ein Start aber etwa eine Milliarde US-Dollar. Ein Progress-Flug schlägt nur mit einem Zehntel zu Buche, doch dafür gelangen mit ihm nur 2,3 Tonnen ins All. Das Euro-Vehikel schafft das Dreieinhalbfache davon und dürfte nur unwesentlich teuerer sein als ein russischer Transporter. „Neben dem Forschungslabor Columbus kann Europa mit dem ATV künftig einen wichtigen Beitrag für die internationale Raumstation leisten“, sagt Menking. Und mehr noch: Die neue Antriebs- und Steuerungstechnik ließe sich auch für andere Flüge, etwa als Teil einer Mondmission, einsetzen.
