0 Bewertungen
03.05.2008 

So paradox es auch klingen mag: Für das digitale Kino ist diese Beharrungskraft der analogen Technik ein deutliches Plus. Denn die elektronische Bearbeitungskette verlangt immer höhere Eingangsqualität, da bei der digitalen Projektion im Kino sichtbar mehr Qualität ankommt als bei 35-Millimeter-Massenkopien. Um beide Welten ohne Qualitätsverlust zu verbinden, setzt beispielsweise Kodak auf hybride Technik. Darunter befindet sich eine Software, die beim Einscannen von Filmmaterial automatisch Staub und Kratzer entfernt und so die digitale Bearbeitung ermöglicht.

Verkehrte Welten? Treiben nicht gerade die gleichen amerikanischen Studios, die noch auf die analoge 35-Millimeter-Aufnahmetechnik setzen, die Digitalisierung des Kinos voran? Die Erklärung ist einfach. Bei Filmbearbeitung, Distribution und Abspiel ist die Digitalisierung wirtschaftlich und qualitativ sinnvoll. Die Aufnahme- und Archivtechnik für Kinofilme steckt im digitalen Bereich in einer frühen Phase, die einen radikalen Schwenk verhindert.

Zwar gibt es Anbieter, die erste hochauflösende digitale Kinofilmkameras anbieten. Doch in einer Branche, in der Qualität und Verlässlichkeit bei teuren Filmen erstes Gebot ist, verlassen sich die Produzenten auf die Weltmarktführer Arri aus München und die amerikanische Panavision. Für die Anforderungen der großen Leinwand sehen beide noch Entwicklungsbedarf. Hinzu kommt, dass viele Regisseure und Kameraleute auf herkömmliches Filmmaterial schwören, was die Münchener Bavaria gerade bewogen hat, ihren Leihpark mit analogen Filmkameras neu aufzurüsten.

Das zeigt: Totgesagte leben länger. Film als Aufnahmematerial sei in den nächsten zehn Jahren „unverzichtbar“, sagt Martin Moszkowicz, Produktionsvorstand von Constantin Film in München. Er ist einer der größten deutschen Rohfilm-Einkäufer. Digitale Produktionstechnik nutzt das Unternehmen dort, wo Special-Effect-Szenen gefragt sind – wie bei der Produktion des Horrorfilms „Resident Evil“. Solche Szenen könne die digitale Postproduktion ohne Bruch verarbeiten.

Sollten eines Tages keine Filmkopien mehr durch die Projektoren rattern, wird der Kodak-Konzern trotzdem im Kino präsent sein. Neben Digital-Projektoren wurde ein komplettes Kino-Content-Management-System entwickelt, über das auch alternative Attraktionen, wie Sport- und Live-Großereignisse, neben den Filmen auf die Kinoleinwand finden. Gerade verkündete Kodak stolz, dass in dem hart umkämpften Markt bereits 2000 seiner Digital Cinema Lösungen in 14 Ländern im Einsatz sind. Zu den Wettbewerbern zählen Sony und Spezialanbieter wie der international agierende Kinoausrüster Kinoton aus München.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Quiz

Wissenstest: Haben Sie einen Nobelpreis verdient?

Los geht's!In Stockholm und Oslo werden in dieser Woche die Nobelpreise vergeben. Aber wie sieht es eigentlich mit Ihrem Wissen rund um die wichtigsten Preise d...