Typisch reptilisch, so hatten die Forscher am Anfang der Analysen gemutmaßt, müssten wohl zumindest die Gensequenzen sein, die das Gift des wehrhaften Platypus produzieren, einem von nur einer Handvoll wirklich toxischer Säuger. Bei den Analysen erlebten die Wissenschaftler dann aber eine Überraschung; und das nicht deswegen, weil die weibliche Glennie auch Gene für die Schlangengift ähnelnden Toxine hatte, die eigentlich in die Defensive gedrängte Männchen per Hinterhand-Sporn einsetzen. Spannender war, dass Reptilien und Platypus-Toxin zwar sehr ähnliche Gift-Proteine enthalten, diese aber durch die Umwidmung unterschiedlicher Genabschnitte unabhängig voneinander in einer konvergenten Evolution entstanden sind.
Die Gene zur Milchproduktion sind dagegen keine Eigenentwicklung des Schnabeltiers - kein Wunder, erfanden doch bereits noch sehr reptilische Ahnen der Säuger Milchdrüsen, wohl um damit ihre pergamenthülligen Eier anzufeuchten und vor Mikroben zu schützen. Demnach ist wenig erstaunlich, dass Kloakentiere oder Monotremata wie das Schnabeltier alle Gene besitzen, die Muttermilch so nahrhaft macht. Zudem besitzen sie aber auch das bei anderen Säugern wegrationalisierte Genrüstzeug zur Produktion von Eidotter.
Für eines ist, so entlarven die Genomanalysen weiterhin, ein Schnabeltier jedenfalls mindestens ebenso gut gerüstet wie die vermeintlich höher entwickelten Beuteltiere und echten Säuger: Riechen. Das überrascht, jagt ein Schnabeltier doch meist mit geschlossenen Augen und Ohren unter Wasser seiner Beute nach, wo Geruchswahrnehmung eine untergeordnete Rolle spielen sollte - die Tiere setzten dabei ein seit langem bekanntes, eigentümliches elektrisches Ortungssystem ihrer Schnabelspitze ein.
Das Genomforscherteam fand nun aber ein derart ungewöhnlich großes Repertoire bestimmter Rezeptorgene für das Geruchsstoffe wahrnehmende Vomeronasalorgan, dass es davon ausgeht, Platypus könne wohl seine Beute auch anhand wasserlöslicher, nicht flüchtiger Geruchsstoffe aquatisch erschnuppern. Vielleicht spiegelt sich in der überraschenden Fülle auch nur eine bislang übersehene ausgeprägte Pheromonkommunikation. Insgesamt ähnelt das Riechsystem genetisch-quantitativ jedenfalls weit eher dem typischen Säugersystem als jenem der Reptilien.
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