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06.02.2007 
Gesundheit

Vogelgrippe löst europaweit neue Sorgen aus

GeflügelfarmLupe

Nur in Schutzanzügen arbeiten diese Helfer auf der von der Vogelgrippe betroffenen britischen Geflügelfarm. Quelle: dpa

dpa LONDON/BRüSSEL/BERLIN. Der Ausbruch der Vogelgrippe in Großbritannien hat auch in anderen Ländern der Europäischen Union neue Sorge ausgelöst.

Am Dienstag kommen Tierseuchen-Experten aus allen 27 EU-Staaten in Brüssel zusammen, um über die Entdeckung des auch für Menschen gefährlichen Virustyps H5n1 in einer der größten englischen Geflügelfarmen zu beraten.

Derzeit soll es auf EU-Ebene aber keine besonderen Schutzmaßnahmen geben. Die Tötung der 160 000 Truthähne in der betroffenen Farm des britischen Agrarkonzerns Bernard Matthews sollte noch am Montag abgeschlossen werden. Bis zum Nachmittag waren laut dem Rundfunksender BBC etwa 120 000 Tiere vergast worden.

Rund um den Mastbetrieb in der Nähe von Holton in der südostenglischen Grafschaft Suffolk gilt seit dem Wochenende eine Drei-Kilometer-Schutzzone. Innerhalb des Sperrbezirks müssen Schutzanzüge und Atemmasken getragen werden. Der Zugang wird streng kontrolliert. Die Kadaver werden verbrannt, um jedes Risiko einer Weiterverbreitung zu vermeiden. Zuvor waren insgesamt mehr als 2 500 Truthähne an dem Virus gestorben.

Die britischen Behörden versicherten weiterhin, dass für Menschen kaum eine Gefahr bestehe. Umweltminister David Miliband sagte, alle Schutzmaßnahmen liefen nach Plan. Unklar ist noch, wie das H5n1-Virus in die Farm gelangen konnte. Miliband sagte, die „wahrscheinlichste Variante“ sei die Übertragung durch einen Wildvogel. „Wir prüfen aber auch alle anderen Möglichkeiten.“ Dazu gehört auch die These, dass es eine Verbindung nach Ungarn geben könnte, wo das Virus bereits vor zwei Wochen in einer Gänsezucht aufgetaucht war. Matthews hat auch in Ungarn mehrere Betriebe. Auch Tiertransporte gelten als möglicher Ausbreitungsweg der Vogelgrippe.

Die britische Geflügelindustrie (Jahresumsatz: 5,1 Mrd. Euro) fürchtet nach dem Ausbruch der Vogelgrippe hohe Verluste. Befürchtet wird insbesondere, dass andere Länder ein Einfuhrverbot für britisches Geflügel verhängen könnten. Als erste Länder schränkten laut BBC Japan und Russland den Import bereits ein. Der Sprecher der EU-Kommission, Michael Mann, sagte hingegen in Brüssel: „Wir denken, dass die Maßnahmen, die jetzt getroffen wurden, ausreichend sind.“ Die Kommission sei nicht besonders beunruhigt, weil die Truthähne außerhalb der Vogelzugperiode erkrankten.

Im vergangenen Jahr waren 14 EU-Mitgliedstaaten von der Vogelgrippe betroffen, auch Deutschland. An der besonders gefährlichen Variante H5n1 sind weltweit bislang 160 Menschen gestorben. Nach Einschätzung von Experten ist die Gefahr einer Übertragung im aktuellen Fall jedoch sehr gering. Beim Verzehr von gekochtem Fleisch und gekochten Eiern besteht nach ihrer Auskunft keinerlei Gefahr.

In Deutschland soll das Federvieh nach den Vogelgrippe-Fällen in Ungarn und Großbritannien nicht flächendeckend in Ställe gesperrt werden. „Es wird sich an unserer Regelung zur Stallpflicht nichts ändern“, sagte eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums in Berlin. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hatte gefordert, dass Geflügel ohne Ausnahmen in Ställen untergebracht wird. Ein Importverbot für Geflügelfleisch aus Großbritannien ist laut Ministerium nicht geplant, da es dort Schutzzonen gebe.

Besondere Bedeutung kommt dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut, FLI) zufolge in den nächsten Wochen der Beobachtung von Wildvögeln zu. Die aktuellen Fälle in Europa hätten bewiesen, dass der Erreger H5n1 noch in den Wildvogelpopulationen vorhanden sei, betonte FLI-Chef Thomas Mettenleiter in einem dpa-Gespräch. In den vergangenen Wochen seien wegen der kälteren Witterung zwar mehr tote Tiere gefunden worden, der Vogelgrippe-Erreger sei aber bisher nicht nachgewiesen worden.

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