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30.04.2007 
Serie: Die Energie der Zukunft

Wasserstoff-Auto ist erst der Anfang

von Finn Mayer-Kuckuk

In Japan solllen bis 2020 fünf Millionen Wasserstoffautos über die Straßen rollen. Das Land will sich damit nicht nur als Hochtechnologievorreiter profilieren, sondern schlicht auch die Abhängigkeit vom Öl verringern. Jetzt müssen nur noch die japanischen Verbraucher überzeugt werden.

H2 in den Tank: So möchte Japan umweltfreundlicher und unabhängiger werden. Doch es mangelt an Zapfsäulen.Lupe

H2 in den Tank: So möchte Japan umweltfreundlicher und unabhängiger werden. Doch es mangelt an Zapfsäulen.

TOKIO. Testfahrt auf der Rennstrecke Motegi nördlich von Tokio: Das tief liegende Wasserstoffauto von Honda zischt und schnurrt nur sanft, wenn der Fahrer aufs Gas tritt. Doch die Insassen drückt es in die Sitze – der Elektromotor an der Vorderachse beschleunigt stärker als ein Benzinmotor. Schauveranstaltungen wie diese finden derzeit in Japan regelmäßig statt. Das Land glaubt an die Brennstoffzellen-Zukunft und investiert kräftig in die einzelnen Teile des Puzzles, aus denen einmal das Gesamtbild eines sauberen Straßenverkehrs hervorgehen soll. „Es ist erstaunlich, wie real die Wasserstoff-Gesellschaft schon ist“, sagt ein Mann in den mittleren Jahren, der eine Wasserstofftankstelle in Tokio besucht.

Die Regierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2010 sollen 50 000 Autos mit Brennstoffzellenantrieb auf Nippons Straßen rollen, bis 2020 gar fünf Millionen. Japan will sich dabei nicht nur als Hochtechnologieland profilieren, sondern schlicht auch die Abhängigkeit vom Öl verringern: Derzeit ziehen noch 98 Prozent der Fahrzeuge im Straßenverkehr ihre Antriebsenergie aus dem teuren, knappen und dreckigen Brennstoff, bis 2030 soll der Anteil auf unter 80 Prozent sinken.

In diesem Jahr fördert die Regierung daher die Brennstoffzellentechnik für den Einsatz in Autos oder Haushalten mit umgerechnet 200 Mill. Euro – wegen des Sparzwangs etwas weniger als in den Vorjahren. Die dicksten Batzen entfallen auf die Entwicklung leistungsfähigerer Batterien und Zuschüsse für Praxistests von Wasserstoffeinheiten an Wohnhäusern, erklärt Junichi Nakagawa von der Energieabteilung des Wirtschaftsministeriums. Ebenfalls unter der Schirmherrschaft der Regierung läuft der Betrieb von zehn Wasserstofftankstellen im Raum Tokio. Jede arbeitet zu Testzwecken mit einem anderen System.

Bisher werde der Großteil des Wasserstoffs zwar noch mit hohem Energieaufwand aus fossilen Rohstoffen – vor allem Erdgas – gewonnen, sagt Kazuya Fujime, Professor am Institute of Energy Economics in Tokio. Um von Gasexporteuren unabhängig zu werden und den Ausstoß an Treibhausgasen zu senken, sollen die Versorger den Löwenanteil des Rohstoffs künftig aber per Elektrolyse aus Wasser gewinnen. Den dazu nötigen Strom könnten die Atomkraft – die Japan ohnehin ausbauen will – und regenerative Energiequellen liefern, so Fujime.

Bei der Entwicklung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen sind die Japaner schon relativ weit. Mit Toyota, Nissan, Honda, Hino, Suzuki und Mazda haben sechs Firmen Wasserstoffwagen auf die Straße gebracht – auch wenn sich die Hersteller einig sind, dass es noch mindestens zehn Jahre dauern wird, bis die Fahrzeuge aus der Nische kommen. Toyota nutzt dabei die ausgereifte Technik aus dem erfolgreichen Hybridauto Prius. Mazda hat einen Wagen entwickelt, der sowohl Benzin als auch Wasserstoff verbrennen kann. Und Honda schickt mit dem FCX den Prototyp eines speziell für den Wasserstoffeinsatz entwickelten Autos ins Rennen, das schon 2008 in geringer Stückzahl in Produktion gehen soll. Die Wagen haben üblicherweise mehr als 120 PS und fahren über 150 Kilometer pro Stunde schnell. Die Reichweite liegt bisher nur bei rund 350 Kilometer, doch hier versprechen die Entwickler Fortschritte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ohne Regierungsförderung werden sich die Japaner kaum für Wasserstoffautos begeistern lassen.

Weil bislang das Tankstellennetz noch äußerst dünn ist, haben erst wenige Firmen Wassertoffautos in ihre Flotten aufgenommen – vor allem Boten- oder Kurierdienste. So hat Toyota letzte Woche ein Fahrzeug an den Paketdienst Yamato Transport geliefert, der es auf Anschlussfahrten zwischen dem zentraljapanischen Flughafen Centrair bei Nagoya und seinen Verteilzentren nutzen will. Die Flughafenbusse des Centrair fahren ebenfalls mit Wasserstoff.

Um das Problem der knappen Tankstellen zu lösen, hat Honda in seiner US-Forschungsabteilung in Kalifornien gleich ein System aus Heim-Energie-Stationen und den passenden Autos entwickelt: Das persönliche Kraftwerk versorgt auch das Auto mit Wasserstoff. Für Wege in der Stadt braucht der Fahrer dann gar keine Tankstelle mehr. Toyota verfolgt die gleiche Idee und gab vergangene Woche bekannt, binnen drei Jahren 28 der Heimkraftwerke testweise in Haushalten zu installieren.

Brennstoffzellen für Haushalte bieten auch Panasonic und der Batteriespezialist Sanyo an. Zwei Kästen von der Größe eines Schranks und einer Kommode neben dem Haus spalten Wasserstoff vom Stadtgas ab und produzieren in Brennstoffzellen Strom und Heißwasser für Dusche und Küche. Nächstes Ziel ist die Erzeugung von Wasserstoff aus Solarstrom vom Dach. Sanyo und Panasonic arbeiten derzeit daran, den Preis herunterzutreiben. Ein Heimsystem soll in einigen Jahren umgerechnet für weniger als 7 500 Euro zu haben sein. Panasonic hat in den beiden zurückliegenden Jahren rund 160 Brennstoffzellenkästen für Praxistests ausgeliefert.

Mit der regulären Vermarktung, heißt es bei dem Unternehmen, könne man aber wohl frühestens 2008 starten. Viel hänge davon ab, welche Förderprogramme die Regierung in Zukunft auflege. Ohne Anreize für Hausbesitzer dürfte es schwer sein, massenhaft Abnehmer für die teure und aufwendige Technik zu finden.

Regierung und Industrie versuchen deshalb, den Verbrauchern den Wasserstoff mit Info-Programmen schmackhaft zu machen: In einer Ausgehgegend von Tokio präsentiert Panasonic ein Haus mit Brennstoffzelle. Honda hat ein buntes „Brennstoffzellen-Klassenzimmer“ für Kinder im Angebot. Und in Tokio fuhren mehrere Monate lang Wasserstoffbusse auf regulären Buslinien.

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