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03.12.2007 
Start der Columbus

Weltraumlabor fertig zum Abflug

von Anatol Johansen

Ein Weltraum-Meisterwerk schreibt Geschichte: Mehr als zehn Jahre haben Firmen aus zehn europäischen Staaten gegen politische Unstimmigkeiten und finanzielle Schwierigkeiten angekämpft – mit Erfolg: Am kommenden Donnerstag wird das rund eine Milliarde teure, bemannte Weltraumlabor Columbus zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen.

Das Weltraumlabor Columbus als Teil der Internationalen Raumstation ISS. Foto: Archiv Lupe

Das Weltraumlabor Columbus als Teil der Internationalen Raumstation ISS. Foto: Archiv

HAMBURG. Europas Raumfahrer fiebern dem Nikolaus-Tag entgegen. Am kommenden Donnerstag, den 6. Dezember, hoffen sie auf ein besonderes Geschenk: den erfolgreichen Start von Europas neuem bemannten Weltraumlabor Columbus. Die amerikanische Raumfähre Atlantis soll es mit zwei europäischen und fünf amerikanischen Astronauten an Bord und unter Leitung des erfahrenen Shuttle-Kommandanten Steve Frick zur Internationalen Raumstation ISS schleppen. Dort wird es dann fest an die Station montiert.

„Hier wird Geschichte geschrieben“, kündigt der französische Astronaut Léopold Eyharts von der Europäischen Weltraumbehörde (Esa) mit leichtem Pathos an. „Europa hat damit völlig neue Möglichkeiten.“ Eyharts wird mit dabei sein, wenn Columbus in 400 Kilometer Höhe in die ISS eingebaut wird.

Seine Aufregung ist verständlich. Immerhin haben 40 Firmen in zehn europäischen Staaten mehr als zehn Jahre an dem fast eine Milliarde Euro teuren europäischen Weltraum-Meisterstück gebastelt. Immer wieder gab es technische, organisatorische und finanzielle Schwierigkeiten; auch bremsten politische Unstimmigkeiten sowohl innerhalb Europas als auch mit den Amerikanern das Großprojekt. Mehrfach musste der Starttermin verschoben werden.

Doch jetzt ist es so weit. „Ich bin sehr stolz, dass wir nun Columbus zur Raumstation bringen“, sagt der deutsche Esa-Astronaut Hans Schlegel, der selbst kräftig Hand anlegen muss, wenn Columbus aus der 18 Meter langen Ladebucht der Atlantis gehievt wird. Auf Schlegel und seinen amerikanischen Kollegen Rex Walheim wartet gleich nach Erreichen der ISS eine knifflige Aufgabe. Aus Platzmangel musste für das Verladen von Columbus in die Raumfähre Atlantis der große Haltegriff des Labors abmontiert werden. An ihm aber hätte eigentlich der Kran der ISS das Labor packen und von der Raumfähre in die Station hinüber hieven sollen.

Jetzt müssen Schlegel und Walheim in ihren klobigen Raumanzügen zu der weit geöffneten, 18 Meter langen Landebucht der Atlantis hinüber schweben und dort den Haltegriff wieder an das Columbus-Modul montieren. „Das muss genau wie geplant verlaufen“, sagt Flugdirektor Michael Sarafin, „sonst bekommen wir Columbus gar nicht aus dem Laderaum heraus.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Grundlagenforschung betreiben.

Das europäische Labor, in dem drei Wissenschaftler gleichzeitig arbeiten können, hat in etwa die Form einer überdimensionalen Benzin-Tonne. Es ist knapp sieben Meter lang bei einem Durchmesser von viereinhalb Metern. Das Gewicht beträgt etwa zwölf Tonnen, der Rauminhalt 75 Kubikmeter.

Zehn Telefonzellen-große Laborschränke mit diversen Versuchsanordnungen sind an der Wandung von Columbus untergebracht. 15 bis 20 Experimente seien beim Start bereits an Bord, sagt Alan Thirkettle, ISS-Programmdirektor der Esa. Für den Beginn der Forschungsarbeiten sei ein neues Verfahren entwickelt worden. Normalerweise würden Versuchsanordnungen und Experimente, die neu ins All gelangen, zunächst sorgsam überprüft und erst danach schrittweise in Betrieb genommen. Diesmal soll es anders sein.

„Wir haben diese Dinge am Boden so intensiv getestet, dass wir das nun nicht alles nach der kurzen Reise ins All noch einmal wiederholen müssen“, sagt Thirkettle. Die Versuche sollen so schnell wie möglich begonnen und die Funktionstüchtigkeit der Geräte gleichzeitig geprüft werden. „Das bedeutet auch, dass wir rasch wissenschaftliche Resultate bekommen“, sagt Thirkettle. Dabei ist das Weltraumlabor für ein breites Forschungsspektrum ausgelegt. Zahlreiche Experimente in den Bereichen Medizin und Biologie, Materialforschung, Grundlagenphysik und anderen Disziplinen sind vorgesehen.

Sehr anwendungsnahe Ergebnisse sind dabei nicht unbedingt zu erwarten. Es geht in erster Linie um Grundlagenforschung – darauf hat bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel hingewiesen. Im Mai 2006 war sie nach Bremen gereist, wo Columbus vom Hersteller EADS Space Transportation feierlich an die Esa übergeben wurde.

„Die Raumfahrt ist ein kleiner, aber ausgesprochen feiner Bereich“, sagte Merkel. „Einem Land, das sich als Hochtechnologieland und führendes Wissenschaftsland versteht, steht dieser sehr gut an.“

Auch Alan Thirkettle blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Wenn Columbus erst einmal läuft, hat Europa eine permanente Präsenz auf der Raumstation. Wir haben dann unser eigenes Grundstück auf der Erdumlaufbahn.“ Die Nasa betrachtet die Lage derweil eher sachlich. Columbus werde die Forschungsmöglichkeiten auf der ISS wesentlich vergrößern – so der nüchterne Kommentar von Shana Dale, der stellvertretenden Chefin der US-Luft- und Raumfahrtbehörde.

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