Das europäische Labor, in dem drei Wissenschaftler gleichzeitig arbeiten können, hat in etwa die Form einer überdimensionalen Benzin-Tonne. Es ist knapp sieben Meter lang bei einem Durchmesser von viereinhalb Metern. Das Gewicht beträgt etwa zwölf Tonnen, der Rauminhalt 75 Kubikmeter.
Zehn Telefonzellen-große Laborschränke mit diversen Versuchsanordnungen sind an der Wandung von Columbus untergebracht. 15 bis 20 Experimente seien beim Start bereits an Bord, sagt Alan Thirkettle, ISS-Programmdirektor der Esa. Für den Beginn der Forschungsarbeiten sei ein neues Verfahren entwickelt worden. Normalerweise würden Versuchsanordnungen und Experimente, die neu ins All gelangen, zunächst sorgsam überprüft und erst danach schrittweise in Betrieb genommen. Diesmal soll es anders sein.
„Wir haben diese Dinge am Boden so intensiv getestet, dass wir das nun nicht alles nach der kurzen Reise ins All noch einmal wiederholen müssen“, sagt Thirkettle. Die Versuche sollen so schnell wie möglich begonnen und die Funktionstüchtigkeit der Geräte gleichzeitig geprüft werden. „Das bedeutet auch, dass wir rasch wissenschaftliche Resultate bekommen“, sagt Thirkettle. Dabei ist das Weltraumlabor für ein breites Forschungsspektrum ausgelegt. Zahlreiche Experimente in den Bereichen Medizin und Biologie, Materialforschung, Grundlagenphysik und anderen Disziplinen sind vorgesehen.
Sehr anwendungsnahe Ergebnisse sind dabei nicht unbedingt zu erwarten. Es geht in erster Linie um Grundlagenforschung – darauf hat bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel hingewiesen. Im Mai 2006 war sie nach Bremen gereist, wo Columbus vom Hersteller EADS Space Transportation feierlich an die Esa übergeben wurde.
„Die Raumfahrt ist ein kleiner, aber ausgesprochen feiner Bereich“, sagte Merkel. „Einem Land, das sich als Hochtechnologieland und führendes Wissenschaftsland versteht, steht dieser sehr gut an.“
Auch Alan Thirkettle blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Wenn Columbus erst einmal läuft, hat Europa eine permanente Präsenz auf der Raumstation. Wir haben dann unser eigenes Grundstück auf der Erdumlaufbahn.“ Die Nasa betrachtet die Lage derweil eher sachlich. Columbus werde die Forschungsmöglichkeiten auf der ISS wesentlich vergrößern – so der nüchterne Kommentar von Shana Dale, der stellvertretenden Chefin der US-Luft- und Raumfahrtbehörde.
