Richard Branson, der Milliardär und Besitzer der Fluglinie Virgin Atlantic, ließ kürzlich zu Versuchszwecken eine Boeing 747 mit Kokosöl fliegen. Was halten Sie davon?
Die Internationale Flugverkehrsorganisation hat die Vorgabe erlassen, bis 2050 keine Emissionen aus dem Flugverkehr mehr zu generieren. Die Fluggesellschaften werden sich also etwas einfallen lassen müssen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ökologisch Biosprit ist. Palmöl beispielsweise ist das Schlimmste, was es gibt. In Asien werden dafür Regenwälder zerstört. Man sollte auch prinzipiell nur solchen Bioantrieb verwenden, der nicht in Konkurrenz zu Lebensmitteln steht.
Steve Fossett, Pionier und Abenteurer wie Sie, kam Ende vergangenen Jahres bei einem ungeklärten Flugunfall ums Leben. Macht Sie so etwas nicht nachdenklich?
Steve Fossett war ein guter Freund von mir. Wir haben noch kurz vor dem Unfall zusammengegessen. Es ist schrecklich. Aber er hatte den Unfall nicht während eines seiner Abenteuer. Er wollte nur einen ganz normalen Rundflug machen, so wie er das jeden Tag tat. Es ist wie jemand, der den Everest bestiegen hat und danach die Treppe hinunterfällt und tot ist.
Welchen Tipp geben Sie nach all Ihren Erfahrungen den Abenteurern von heute?
Im 20. Jahrhundert haben Leute den Nord- und den Südpol überquert, den Mount Everest erklommen, die Stratosphäre besucht oder die Welt mit einem Flugzeug oder einem Ballon umrundet. Die Helden von morgen finden Lösungen für eine bessere Lebensqualität, kämpfen gegen Armut, für Menschenrechte, oder sie implementieren erneuerbare Energien.
Bertrand Piccard wurde am 1. März 1958 in eine Familie von Pionieren hineingeboren. Vater Jacques, 86, Tiefseetaucher, stellte 1960 mit einem selbstgebauten U-Boot den Tiefseetauch-Weltrekord auf. Großvater Auguste hatte 1931 mit rund 16 000 Metern den Ballon-Höhenrekord aufgestellt. Bertrand Piccard studierte zunächst Medizin und spezialisierte sich später auf Psychiatrie. 1999 umrundete er nach zwei gescheiterten Versuchen als erster Mensch die Welt in einem Ballon. Piccard, der mit seiner Frau Michèle in Lausanne wohnt, ist Vater von drei Töchtern.
