Wie sieht der Alltag eines Astronauten im All eigentlich aus?
Das hängt natürlich davon ab, ob es sich um eine relativ kurze Mission, etwa einen Shuttle-Flug handelt, oder ob die Astronauten längere Zeit im All sind, zum Beispiel als Langzeitbesatzung auf der Raumstation ISS. Aus meiner eigenen Erfahrung an Bord des Shuttles Endeavour kann ich sagen, dass der Arbeitsplan bei einer kurzen Mission sehr dicht ist. Buchstäblich jede Minute, die nicht mit Schlafen oder Essen verbracht wird, ist für Arbeit verplant. Bei einer längeren Mission ist der Tag natürlich auch mit Arbeit vollgepackt, die Astronauten haben aber etwas mehr Freiraum bei der Entscheidung, welche Arbeit sie zu welchem Zeitpunkt in Angriff nehmen.
Gibt es bei so viel Arbeit in der Enge des Raumschiffs und unter den besonderen Stressfaktoren des Weltraums nicht gelegentlich Streit unter den Astronauten?
Es gibt verschiedene Faktoren, die bei der Stressbewältigung helfen. Zunächst einmal versuchen wir von vornherein, Menschen für den Astronautenberuf auszuwählen, die eine geringere Neigung zu aggressivem Verhalten zeigen als der Durchschnitt. Auch dabei sind die psychologischen Tests während des Bewerbungsverfahrens hilfreich. Dann das Training selbst: In den 18 Monaten vor einer Mission trainiert die künftige Crew gemeinsam und verbringt auch sonst viel Zeit miteinander. Ich habe in diesen 18 Monaten meine Missionskollegen buchstäblich häufiger gesehen als meine Frau und meine Kinder. Dadurch entsteht der nötige Teamgeist für die Mission, man lernt Stärken und Schwächen des anderen so kennen, dass man im All Konflikte weitgehend vermeiden kann.
Der Mond ist wieder ins Visier der Raumfahrer gerückt, die Amerikaner planen bemannte Missionen zum Erdtrabanten. Könnte einer der Astronauten aus der jetzt anlaufenden Kampagne der erste Europäer auf dem Mond werden?
Es stimmt, die Amerikaner setzen wieder stärker auf Exploration, und wir gehen davon aus, dass es ein Programm für bemannte Mondlandungen um das Jahr 2020 geben wird. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich die Europäer und andere Raumfahrtnationen an einem solchen Programm beteiligen. Und man kann sich leicht ausrechnen, dass die Astronauten, die heute ausgewählt werden, bei einem Mondflug im Jahr 2020 noch immer im besten Astronautenalter sind. Ja, ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass unter den heutigen Bewerbern die erste Europäerin oder der erste Europäer auf dem Mond sein wird.
Der Weg ins Astronautenteam:
Die Bewerbung für das Esa-Astronautenteam erfolgt ausschließlich über das » Internet
Interessenten müssen sich vorab von einem Mediziner die Flugtauglichkeit bescheinigen lassen. Ein entsprechendes Zeugnis muss mit der Bewerbung hochgeladen werden.
Start der Bewerbungsfrist: 19. Mai
Dauer: 4 Wochen
