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19.11.2008 
Archäologie

Der wahre Schatz des Archäologen

von Ferdinand Knauß

Mit dem Metalldetektor auf Schatzsuche: Abenteuer suchende Hobbyarchäologen im Geiste von Indiana Jones können viel Unheil anrichten, denn illegale Ausgrabungen zerstören Geschichte. Trotzdem wollen viele Forscher mit Amateuren zusammenarbeiten.

Die Jagd nach Artefakten hat Indiana Jones alias Harrison Ford durch mittlerweile vier Kinofilme getrieben. Echte Archäologen sind weniger an Einzelstücken interessiert. Foto: apLupe

Die Jagd nach Artefakten hat Indiana Jones alias Harrison Ford durch mittlerweile vier Kinofilme getrieben. Echte Archäologen sind weniger an Einzelstücken interessiert. Foto: ap

DÜSSELDORF. Viele antike Stätten im Nahen Osten sehen wie Kraterlandschaften aus, durchwühlt von Menschen, die nach allem suchen, was Sammler und Museen interessieren könnte. Der Raubbau an der Antike ist in armen Ländern mit reicher Geschichte eine verlockende Einnahmequelle.

Raubgrabungen richten aber auch in Deutschland großen, nie wiedergutzumachenden Schaden an. Denkmalschützer und Archäologen klagen, dass sich die Schatzsuche mit Metalldetektoren zu einem Volkssport entwickelt hat, mit mehreren Tausend Anhängern. "Manche Stätten bei uns im Land sind regelrecht ausgeplündert", sagt Egon Schallmeyer, Landesarchäologe in Hessen. Als zwischen 2001 und 2004 Archäologen die keltische Höhensiedlung Dünsberg ausgruben, stellten sie fest, dass die oberen Schichten weitgehend leergeräumt waren.

Unprofessionelle Ausgräber suchen meist nach schönen Objekten. Sie buddeln mit dem Spaten, sobald der Metalldetektor piept. Beim Graben zerstören sie oft die Fundamentreste alter Siedlungen und durchlöchern die Fundschichten. Für die Archäologie ist das eine Katastrophe. Denn der Fundzusammenhang ist meist bedeutsamer als der Wert des einzelnen Objektes: Wird etwa in einem Grab ein Schmuckstück gemeinsam mit Münzen oder Keramik gefunden, so kann der "geschlossene Fund" oft datiert und kulturell zugeordnet werden. Ein keltischer Goldbecher, dessen Fundzusammenhang unbekannt bleibt, weil er auf obskuren Wegen in eine Auktion gelangte, ist wissenschaftlich kaum noch interessant.

"Der eigentliche Schatz des Archäologen ist Erkenntnis", sagt Frank Brunecker, der die aktuelle Ausstellung "Raubgräber - Schatzgräber" im Museum Biberach konzipiert hat (bis 8. Februar). Dieser Grundgedanke ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt und ein Unrechtsbewusstsein bei den Schatzsuchern daher kaum vorhanden. Die Ausstellung in Biberach macht aber auch klar, dass Raubgräberei ein uraltes und wahrscheinlich nie ganz zu beseitigendes Phänomen ist. Als baden-württembergische Denkmalpfleger von 2006 bis 2008 ein Gräberfeld der Merowinger-Zeit (450-700) bei Ludwigsburg ausgruben, stellten sie fest, dass 90 Prozent der Gräber schon im frühen Mittelalter geplündert worden waren. "Die Menschen werden Suchende bleiben", meint Brunecker.

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