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09.01.2009 
Wissenschaft und wirtschaftliche Depression

Die Natur der Krise

von Franz M. Wuketits

Sie sind Begleiterscheinungen des Lebens: Krisen sind ein fester Bestandteil jedes sozialen und biologischen Systems. Auch wenn wir uns gerne in Sicherheit wiegen - die Evolutionsgeschichte lehrt, dass das Leben an sich ein riskantes Manöver ist.

Opfer der Evolution: Schädel eines Triceratops, der vor 65 Millionen Jahren auf der Erde lebte. Foto: ReutersLupe

Opfer der Evolution: Schädel eines Triceratops, der vor 65 Millionen Jahren auf der Erde lebte. Foto: Reuters

WIEN. Vor einigen Wochen kam also die Hiobsbotschaft: Im kommenden Jahr wird es im europäischen Raum praktisch kein Wirtschaftswachstum geben. Gut, Prognosen bergen viele Tücken, und oft kommt es anders, als man denkt. Doch warum, um alles in der Welt, glaubt man denn an ein ständiges, unbegrenztes Wirtschaftswachstum?

Goethe sagte, dass es gute Gründe dafür gibt, warum Bäume nicht in den Himmel hineinragen. Eigentlich ist es ja trivial, dass kein System unbegrenzt wachsen kann, dass jedes System Grenzen in sich trägt und in seinem Bestreben, sich zu vergrößern, auch noch von äußeren Faktoren eingeschränkt wird. Charles Darwin machte deutlich, dass Lebewesen zwar dazu tendieren, sich potenziell unbegrenzt zu vermehren, ihren Fortpflanzungsgeschäften aber mangelnde Ressourcen im Wege stehen. In der Tat: Würde etwa jeder einzelne Feldhase überleben und sich selbst erfolgreich fortpflanzen, dann wäre die Erdoberfläche bald mit seinesgleichen förmlich zugedeckt. Aber so weit kann es Meister Lampe natürlich nie treiben.

Nun aber der Reihe nach. Von Krisen soll hier die Rede sein. Derzeit in aller Munde ist die internationale Finanzkrise, und kaum ein anderes Wort wurde in den vergangenen Wochen und Monaten so inflationär verwendet wie dieses. Da ich selbst kein Ökonom bin, maße ich mir nicht an, die wahren Dimensionen dieser Krise, ihre Ursachen und möglichen Folgen zu beurteilen. Aber dass es weltweite Wirtschaftskrisen auch früher schon gab, wissen wir alle. Und jede(r) von uns war auch individuell schon mit der einen oder anderen kritischen Situation konfrontiert.

Unser Leben spielt sich nicht nach einem einheitlich gestrickten Muster ab, es verläuft nicht linear, Schritt für Schritt. Wer sein Geschick in die Hände von "Lebensplanern" legt, verliert mit Sicherheit viel Geld, sein Leben bleibt aber weiterhin unsicher. Die Geschichte der Menschheit insgesamt und die Geschichte des Lebens auf der Erde sind nicht als eine progressive (Höher-)Entwicklung zu beschreiben, sondern als "Zickzackwege" mit Höhen und Tiefen, Phasen der Innovation, Perioden der Stagnation und Zeiten der Krisen und Katastrophen. Pointiert gesagt: Das Leben ist keine Rolltreppe.

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