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09.07.2008 
Kommunikation in der Gesellschaft

Lügen in Zeiten des Internets

von Hans-Jürgen Friske

Sind Lügen der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammen hält? Oder kann das Gebot „Du sollst nicht lügen!“ auch im Licht der neuen Medienwelt durchaus noch als Erfolgsrezept gelten? Auf einer Tagung in Münster stritten PR-Experten und Wissenschaftler über die Frage, wie weit das Recht zur Lüge in Zeiten des Internets geht.

Der Übervater der Lüge: Wie erfolgreich wäre Lügenbaron Münchhausen in Zeiten des Internets? Foto: dpaLupe

Der Übervater der Lüge: Wie erfolgreich wäre Lügenbaron Münchhausen in Zeiten des Internets? Foto: dpa

MÜNSTER. Kann nur ein Lügner erfolgreich kommunizieren? Immerhin trägt eine Lüge oft dazu bei, dass der Kontakt nicht abgebrochen wird. Sie kann mitunter sogar das System in Gang halten: Wenn er sie fragt, ob sie mit ihm ausgehen möchte, sie ihn aber nicht mag, dann wird sie ihm das nicht direkt so sagen, sondern eine Notlüge benutzen, ihn beispielsweise auf später vertrösten. Die Kommunikation zwischen beiden bleibt also in den meisten Fällen intakt – einschließlich der Chance, dass die beiden zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zueinanderfinden. „Die Lüge ist der Kitt der Gesellschaft“, sagen Kommunikationswissenschaftler wie Klaus Merten dazu.

Wie steht es jedoch mit der schlecht beleumundeten Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Parteien oder Verbänden? Müssen PR-Leute notwendigerweise lügen, oder sind – ganz im Gegenteil – die Wahrheit und das Vertrauen des Publikums ihre Geschäftsgrundlage?

Dass man zu diesem Thema trefflich streiten kann, zeigte sich kürzlich beim „Careers Day Public Relations“, zu dem das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster eingeladen hatte. Die Debatten zeigten, dass das gesinnungsethisch aufgeladene Gebot „Du sollst nicht lügen!“ im Licht der neuen Medienwelt durchaus noch für ein geeignetes Erfolgsrezept gehalten wird.

In Münster verkörperte Horst Avenarius diese Position. Der langjährige Vorsitzende des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR) betonte vor allem Sinn und Zweck von normativen Standards in der PR – so wie sie in den diversen deutschen und internationalen Ehrenkodizes stehen. Normen wie die, dass Öffentlichkeitsarbeit wahrhaftig sein solle oder dass sie als solche stets erkennbar sein müsste, seien sowohl eine wichtige Richtschnur für die tägliche Berufspraxis als auch für das Ansehen der Branche. Natürlich werde in der PR gelogen, räumte Avenarius ein – abweichendes Verhalten ändere aber nichts an der Gültigkeit der Kodizes: „Es gilt weiterhin der Satz, dass nicht gelogen werden darf.“

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