In der Pharmaforschung etabliert sich nach und nach eine neue Arbeitsteilung. Sie läuft darauf hinaus, dass wieder mehr Entwicklungsleistungen in die akademische Welt und damit letztlich in öffentlich-rechtliche Verantwortung zurückwandert.
Anders als etwa im Streit über die Onlineaktivitäten der Rundfunkanstalten geht es hier freilich nicht um ein deutsches Phänomen, sondern um einen globalen Trend. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) befindet sich daher in bester Gesellschaft, wenn sie nun über die Grundlagenforschung hinaus expandiert und eine eigene Einheit zur Wirkstoffentwicklung aufbaut. Auch in den USA und anderen Ländern haben staatliche Institutionen entsprechende Engagements in den letzten Jahren forciert. Und dies mit durchaus guten Gründen: Zum einen fehlt es schlicht an privaten Geldgebern für hochriskante Forschung. Venture-Capital-Fonds konzentrieren sich auf Unternehmen, die bereits Produkte in die klinische Entwicklung gebracht haben. Völlig neue Ansätze drohen so auf der Strecke zu bleiben.
Zum anderen bietet die neue Strategie eine Chance für Institutionen wie die MPG, im Erfolgsfall stärker an den Erträgen ihrer Forschung zu partizipieren. Für konkrete Wirkstoffkandidaten, die bereits einen "proof of concept" bewiesen haben, winken deutlich höhere Lizenzgebühren.
Die Herausforderung besteht darin, begrenzte Finanzmittel auf die richtigen Projekte zu verteilen. Wie gut den Entscheidungsträgern aus der Wissenschaft diese Ressourcenallokation gelingt, wird erst in einigen Jahren zu sehen sein. Es sollte ihnen freilich nicht allzu schwerfallen, die bislang eher miserable Performance privater Investoren auf diesem Gebiet zu übertreffen.


