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26.02.2008 
Weltgrößte Messe für Computertechnik

Die Geschichte der Cebit

Die gemessen an der Ausstellungsfläche weltgrößte Messe für Computertechnik und Telekommunikation begann als eigener Bereich unter dem Dach der Industriemesse in Hannover.

HB HANNOVER. Seit 1970 hatte das "Centrum der Büro- und Informationstechnik" (Cebit) seinen Platz in der neuen Halle 1 am Nordeingang des Messegeländes. Erst 1986 öffnete die erste eigenständige Cebit ihre Tore: 2 142 Aussteller präsentierten sich damals auf einer Ausstellungsfläche von 200 000 Quadratmetern, und 334 000 Besucher wurden gezählt. Dem Debüt am 12. März 1986 war eine langwierige und schwierige Entscheidungsfindung vorausge­gangen.

Mit über 8 000 Ausstellern und mehr als 800 000 Besuchern erreichte die Cebit ihren Höhepunkt im Jahr 2001 - kurz vor dem abrupten Ende des Internet-Booms und der Krise der "New Economy". Seitdem musste die Messe einen kräftigen Schwund hinnehmen, 2007 kamen noch 6 153 Aussteller und 480 000 Besucher. Immerhin, im Vergleich zu 2006 stieg die Besucherzahl damit wieder um gut zehn Prozent.

Seit jeher plagt sich die Cebit mit dem Verhältnis zwischen professionellen Fachbesuchern und sonstigen Interessenten. Der Anteil des begeisterten Privatpublikums erreichte 1995 fast ein Drittel. Um den Charakter als Fachmesse zu erhalten, wurden 1996 die Eintrittspreise drastisch erhöht. Außerdem wurde eine Cebit Home eingeführt, die allerdings schon nach zwei Messen - 1996 und 1998 - wieder eingestellt wurde. Erfolgreicher war hingegen die Internationalisierung der Cebit mit Ablegern in Istanbul und Schanghai.

Entwicklung von 1950 bis 1984

Schon Ende der 50er Jahre war die damals unter der Bezeichnung "Büro­in­dustrie" zusammengefasste Branche auf den dritten Platz aller auf der Hannover Messe ausstellenden Industriezweige vorgerückt. Und im Zuge der fortschreitenden Elektronisierung sorgte sie auf dem jährli­chen In­dustrietreff vor allem in den 60er Jahren für zahlreiche Highlights. So stellte Heinz Nixdorf, der spätere Vorzeigeunternehmer der deutschen DV-Branche schlechthin, 1965 in Hannover erstmals seinen legendären Universalrechner 820 vor.

1970 unterstrich die Deutsche Messe AG mit der neu gebauten Halle 1 am Eingang Nord des Messegeländes die Bedeutung dieses Industrie­segments für die Hannover Messe. Es entstand ein mächtiges Ge­bäude, bestehend aus drei unterschiedlichen Nutzungsebenen: einer Garage im Tiefgeschoss mit Parkplätzen für rund 2000 Aussteller, einer Bruttoaus­stellungsfläche von 70 300 Quadratmetern im Erdgeschoss und einer Dachebene mit 750 kleinen Fertighäusern, auch "Trelemente" genannt. 1984 wurde sie als "weltgrößte ebenerdige Messehalle" ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Namensgebung

Die Namensgebung

Mit der neuen Halle erhielt der Ausstellungsschwerpunkt Büroindustrie auch einen neuen Namen: Cebit - "Centrum der Büro- und Informa­ti­onstechnik". Er hatte sich im Ausstellerbeirat mit knapper Mehrheit ge­genüber der Bezeichnung Cebot - "Centrum für Büro- und Organi­sati­onstechnik" auch deshalb durchgesetzt, weil die zweite Silbe BIT für die kleinste und wichtigste Einheit eines Computers steht und man damit die zuneh­mende Bedeutung der elektronischen Daten­verar­beitung her­vorheben wollte. Tatsächlich drehten sich in den 70er und besonders in den 80er Jahren, als die PC-Hersteller die Hannover Messe stürmten, die meisten Gespräche um Bit und Byte.

Dass sich die DV-Branche aber in immer mehr Teilsegmente mit immer neuen Unternehmen ausdehnen und von zum Teil enormen Wachs­tumsschüben geprägt sein würde, konnte bei der Einweihung der Cebit-Halle 1970 niemand vorausahnen. Schnell waren die Platzka­pazitäten der riesigen Halle 1 erschöpft. Deshalb stellte die Deutsche Messe AG Ende der 70er Jahre den DV-Ausstellern zusätzlich die Hallen 2 und 18 sowie Anfang der 80er Jahre die Halle 3 zur Verfü­gung. Dies war aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn im­mer mehr DV- und Soft­ware-Anbieter, ganz zu schweigen von den neu aufkommenden PC-Her­stellern, wollten die Cebit im Rahmen der Hannover Messe als Präsenta­tionsplattform nutzen. Aus dem einstigen "Centrum für Büro- und Infor­mationstechnik" war das "Welt-Centrum für Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik" geworden.

Cebit als eigenständige Messe

Dennoch blieb für viele ausstellungswillige DV-Anbieter das Tor zur Cebit verschlossen, weil ihnen die Deutsche Messe AG keine Stand­fläche mehr zur Verfügung stellen konnte. Schon 1980 verzeichnete die Messegesell­schaft für den Bereich Informations- und Kommunika­tionstechnik, der nach Ausstellerzahlen mittlerweile den zweiten Platz nach der Elektro­technik einnahm, den größten Nachfragestau und die längste Warteliste. Auch die Hinzunahme weiterer Hal­len konnte kaum Abhilfe schaffen. Den Wünschen der teilnehmenden Unternehmen nach mehr Ausstel­lungsfläche war nicht mehr nachzu­kommen. Ein Messesplit schien unvermeidlich.

Tatsächlich gab die Deutsche Messe AG im November 1984 bekannt, von 1986 an jährlich eine Hannover Messe Cebit im März und eine Hannover Messe Industrie vier Wochen später im April zu veranstalten. Leicht ge­macht hatte sich die Messegesellschaft diese Entscheidung nicht. Ihr gin­gen monatelange Gespräche mit Vorständen und Ge­schäftsführern der maßgeblichen Ausstellerverbände und der Industrie voraus. Schwer­punkte dieser Diskussionen waren die Einschätzung der Marktsituation und die Abwägung des Risikopotenzials. Die wich­tigste Frage lautete: "Was geschieht, wenn wir nichts tun?"

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Debatte um die Teilung

Debatte um die Teilung

1985 stellte die letzte einheitliche Hannover Messe eindrucksvoll unter Beweis, wie nötig die Zellteilung war. Gegenüber 1970 hatte sich die Zahl der IT-Aussteller auf 1 300 verdoppelt, 870 Unternehmen standen auf der Warteliste. Die vermietete Fläche war um das Zwei­einhalbfache auf 130 600 Quadratmeter gestiegen, und gar fast um das Fünffache - auf 293 000 Besucher - hatte die Zahl der Interessenten zugelegt, die sich über das Neueste in diesem Bereich informierten. Mit den zur Han­nover Messe 1985 insgesamt gezählten knapp 7000 Aus­stellern und mehr als 800 000 Besuchern stieß man deutlich an die Kapazitätsgren­zen.

Der Beschluss, die büro-, informations- und kommunikationstechnische Industrie in eine eigenständige Messe auszugliedern, war dennoch kei­nes­wegs unumstritten. Auf der Hannover Messe 1985 avancierte diese Abkoppelung zum Messethema Nummer 1, und in der IT-Bran­che selbst diskutierte man noch bis kurz vor der ersten eigenständigen Cebit vehe­ment über das Für und Wider des Messesplits. Während die Befürworter vor allem die erweiterte Ausstellungsfläche und die besseren Rahmen­bedingungen als Vorteile ins Feld führten, machten die Gegner der Be­fürchtung Luft, dass eine eigenständige Cebit ohne industrielles Umfeld an Attraktivität einbüßen werde.

Die Premiere

So fieberten Aussteller, Besucher und nicht zuletzt die Deutsche Messe AG der Premiere der Solo-Cebit mit großer Spannung, aber auch mit vie­len gemischten Gefühlen entgegen. Am 12. März 1986 war es schließlich soweit: Auf einer Nettofläche von über 200 000 m² prä­sentierten 2142 Aussteller der Büro-, Informations- und Telekommuni­ka­tionstechnik ihre Produkte. In diesem Jahr wurde der Bereich "Tele­kommunikation" erstmals in das Programm der Cebit integriert - damals noch mit "be­scheidenen" 190 Anbietern.

Allen Unkenrufen zum Trotz kam die erste eigenständige Cebit 1986 mit 334 400 Besuchern gut aus den Startlöchern. Trotzdem gingen die De­batten über die Teilung noch einige Jahre weiter, schließlich han­delte es sich dabei um die größte Weichenstellung in der Geschichte der Deut­schen Messe AG und eine der größten Operationen, die im weltweiten Messegeschäft durchgeführt wurde. Zunehmend erhielt die Cebit ihren festen Platz im Terminkalender der Aussteller und Fach­besucher. Die Struktur der Hallenbelegung verbesserte sich durch die ver­stärkte Gliederung nach Branchensegmenten, und die Anord­nung der Produktsortimente wurde übersichtlicher. Die Anbieter wie­derum nutzten die ihnen angebotene Ausstellungsflä­che, vergrößerten ihre Hauptstände und präsentierten sich zunehmend auch in anderen Hallen.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Reprofessionalisierung der Cebit

Die Erfolgsstory

In der Folge entwickelte sich die Cebit zur wichtigsten IT-Messe des Jahres. Die Zahl der Aussteller legte genauso kontinuierlich zu wie die der Be­sucher, die sich selbst durch unerwartete Wetterkapriolen vom Gang über die Messe nicht abhalten ließen. Als 1987 zwei Tage vor Beginn der Cebit die niedersächsische Landeshauptstadt nach einem überra­schenden Schneesturm in einer über einen Meter hohen weißen Pracht zu versinken drohte, und die Messe nur aufgrund des unermüdlichen Einsatzes zahlrei­cher Helfer pünktlich starten konnte, fanden sich im Laufe der achttägi­gen "SchneeBIT", wie sie fortan hieß, 406 474 Besu­cher ein.

Mit dem Beginn der 90er Jahre hatte die Cebit endgültig den Durch­bruch im internationalen Messegeschäft geschafft. Obwohl die IT-In­du­strie zunehmend in eine schwere Rezession geriet und zugleich zahlreiche traditionelle Universalanbieter intern mit gravierenden Um­wälzungen zu kämpfen hatten, fanden sich alle jährlich in Hannover ein. DV-Strategien wie Client-Server-Computing, Outsourcing und Data Ware­housing machten von sich reden, moderne Netzwerk­technologien hiel­ten Einzug, und Multimedia sowie Internet zogen zu­nehmend auch wie­der das Schaupublikum an.

Es wurde immer enger auf dem mittlerweile komplett genutzten Messe­gelände. Die Flächenkapazität des Messegeländes reichte Jahr für Jahr weniger aus, obwohl die Deutsche Messe AG begann, alte Hallen abzu­reißen und durch neue, moderne zu ersetzen. Auch die Warteliste der Un­ternehmen, die mangels Platz nicht teilnehmen konnten, stieg wieder an. Die Hallen waren überfüllt, und das fachliche Gespräch mit dem IT-Profi war kaum mehr möglich. So ging die Cebit 1995 mit 6111 Ausstellern und 755 326 Besuchern, davon mehr als 100 000 aus dem Ausland, zwar als "Mega-Cebit" in die Geschichte des Messewesens ein, doch ange­sichts der wachsenden Be­geisterung des Privatpublikums drohte der Fachcharakter der Cebit verlo­ren zu gehen. Rund 218 000 Privatleute wurden 1995 gezählt - das waren etwa 29 Prozent der Gesamtbesucher­zahl.

Reprofessionalisierung der Cebit

Um den Business-Charakter der Cebit aufrecht zu erhalten, sollte sie "reprofessionalisiert" und der Anteil der Privatbesucher verringert werden. Eine Maßnahme war die deutliche Erhöhung der Ein­trittspreise ab der Cebit 1996. Ein weite­res Novum stellte die Reduzierung der Veranstal­tungs­dauer auf sieben Tage dar, womit die Deutsche Messe AG den Wün­schen der Aussteller nachkam. Darüber hinaus kündigte die Messegesellschaft an, ab August 1996 alle zwei Jahre eine weitere Cebit für den Handel, den SOHO-Bereich (Small Office / Home Office) und die privaten PC-, Multimedia- und Internet-Konsumenten zu veranstalten: die Cebit Home - World of Home and Consumer Electronics.

Die erste Cebit Home wurde 1996 mit 632 Ausstellern auf einer Fläche von 52 248 Quadratmetern durchgeführt. Sie erreichte rund 215 000 Besucher. 1998 waren 586 Aussteller auf 48 370 Quadratmetern vertreten. Die Besucherzahl lag bei 175 000. Die Cebit Home 2000, die wegen der in Hannover stattfindenden EXPO 2000 in Leipzig durchgeführt werden sollte, wurde aufgrund einer zu geringen Ausstellerbeteiligung abgesagt.

Der Anteil der Privatbe­sucher der Cebit hat sich seit 1996 deutlich verringert und liegt mittlerweile bei etwa 15 Prozent. Entsprechend stieg der Fachbesucheranteil auf 85 Prozent.

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