Öffentliches Herumprobieren verleiht der Internet-Entwicklung eine neue Dynamik. Reißbrett und Planungsstab waren gestern. Die Farbe der Saison heißt beta. Web-Anwendungen entstehen in freier Wildbahn, Nutzer oszillieren zwischen Versuchskaninchen und Mit-Entwickler. In der ersten Sitzung des Handelsblatt-Dezentralkomitees in Düsseldorf - einem neuen Diskussionsforum für aktuelle Entwicklungen im Internet– diskutierten 16 Unternehmer, Forscher und Entwickler das Thema und kamen zu überraschenden Ergebnissen.
Web 2.0: Alles beta oder was?
Wer würde in ein Flugzeug steigen, über dessen Bordtüren ein Schriftzug warnt: "Dieses Flugzeug haben wir noch nicht zu Ende entwickelt und seine Absturzsicherheit ist noch nicht getestet."? Wer würde Medikamente schlucken, deren Packungsbeilage informiert: "Über Risiken und Nebenwirkungen wissen wir noch nichts. Sollten Sie welche verspüren, füllen Sie bitte beiliegendes Formular aus."? Was in der Alltagswelt absurd erscheint, hat bei modernen Web-Diensten Hochsaison: Kaum ein neuer Service geht an den Start, über dessen Logo nicht das Wörtchen "Beta" prangt und signalisiert: Ich bin noch nicht fertig, an mit wird noch gearbeitet.
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Hinter dieser Mode steckt System: Software-Entwickler haben sich längst von der Idee verabschiedet, Webservices hinter verschlossenen Türen auszuhecken. Zu oft hat man in der Vergangenheit Dienste an den Bedürfnissen der Anwender vorbei konstruiert. Stattdessen erblicken heute Anwendungen zu einem Zeitpunkt das Licht der Netz-Öffentlichkeit, zu dem man sie früher höchstens firmenintern herum gezeigt hätte. Das Ziel: Möglichst viele Nutzer sollen durch ihr Feedback helfen, der Entwicklung den richtigen Vektor zu geben.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Das Beta-Schild steht auch dafür, dass wir uns nicht so furchtbar ernst nehmen."