Um den Verkauf seiner TV-Box anzukurbeln, bietet der Multimediakonzern Serien zum Herunterladen im Netz an. Die Zeit drängt: Die Konkurrenten um Microsoft
sind schon einen Schritt voraus. Was die ganze Branche eint: Sie haben mit den zu langsamen Internet-Anschlüssen der Nutzer zu kämpfen.
DÜSSELDORF. Download statt DVD: Apple
startet in Deutschland den Verkauf von TV-Serien über seinen Internet-Medienshop iTunes. Damit will das Multimedia-Unternehmen nicht zuletzt die lahmenden Verkäufe seiner Fernsehbox Apple
TV ankurbeln. Diese hat sich seit ihrer Einführung im Jahr 2007 als Flop erwiesen und gerade eine Rundumerneuerung hinter sich. Die erste Version sei von den Kunden überhaupt nicht angenommen worden, räumte Apple
-Chef
Steve Jobs im Januar in ungewohnter Offenheit ein.
Die Zeit drängt. Der große Rivale Microsoft
ist im Dezember 2007 über seine Spielekonsole Xbox 360 mit der Web-Plattform www.xboxlive.com in den deutschen Download-Markt eingestiegen. Dort gibt es allerdings derzeit erst Kinofilme und noch keine TV-Serien wie über iTunes. Die sollen, so Microsoft
-Sprecher
Felix Petzel, erst in einem zweiten Schritt nach Deutschland kommen. In den USA treffen die beiden Gegner aber im TV-Markt schon aufeinander.
Der Kauf-Service wendet sich vor allem an "Hardcore"-Serienfans, die sich die gleichen Folgen immer wieder anschauen wollen. Wer eine Folge seiner Lieblingsserie verpasst hat, kann nun seit gestern einzelne Episoden zum Preis von 1,99 bis 2,49 Euro über iTunes kaufen und auf iPods, iPhones oder eben die Apple-TV
-Box
übertragen. Voraussetzung ist ein Konto beim iTunes-Shop.
Infografik: Seifenoper auf Abruf
Die Käufer können die Dateien auf maximal fünf Rechner kopieren. Derzeit sind 35 Serien von "Stromberg" über "Southpark" bis zu "Desperate Housewives" im Angebot. In den USA stellt Apple
seit Ende 2005 TV-Sendungen zum Download bereit. Dort hat das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 125 Millionen TV-Clips verkauft.
Doch die Konkurrenz ist groß: Verpasste Teile einer Serie können Fans schon seit langem bei anderen Anbietern wie beispielsweise bei rtlnow.de günstiger laden, allerdings auch nur einmal anschauen. Sat 1, Pro Sieben
und Kabel 1 bieten auf ihren Onlineseiten ausgewählte Sendungen sogar kostenlos in voller Länge an - und das direkt nach der Ausstrahlung. Nur ältere Folgen bieten die Unternehmen für ein einmaliges Anschauen ab etwa einem Euro an.
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in Deutschland
In den USA stellt der Sender Comedy Central seit Ende März sogar die kompletten Staffeln der Kultserie Southpark auf www.southparkstudios.com zum kostenlosen Herunterladen bereit. Derzeit ist die Seite noch aus Deutschland erreichbar. Andere stark frequentierte Seiten wie www.hulu.com ("Simpsons", "Family Guy") haben ihre Angebote auf Druck der europäischen Sender-Lizenznehmer dagegen mittlerweile für Websurfer außerhalb der USA gesperrt.
Die Umsonst-Konkurrenz ficht Apple
allerdings nicht an. "Wir wollen mit unserem Produkt und der einfachen Bedienbarkeit überzeugen", hält Apple
-Manager
Schusser in geschliffenem Marketing-Deutsch dagegen. Sein Argument: Die erworbenen Folgen gingen für immer in den Besitz des Käufers über. Außerdem seien sie werbefrei. Das Unternehmen erlaubt sogar eine Sicherungskopie auf einer DVD - wenn auch nur kopiergeschützt. Diese lässt sich allerdings nur wieder auf den iTunes-Computer zurückspielen, mit dessen Account sie gekauft wurde. Auf einem DVD-Player läuft sie nicht.
Ein Manko von Apple
TV bleibt hierzulande aber bestehen: Schon heute können sich Kinofans über das Internet kurze Werbe-Trailer von Kinofilmen in HD-Qualität auf ihren Fernseher holen. Tatsächlich in voller Länge kaufen oder mieten können sie die Filme nicht - das ist weiterhin auf die USA beschränkt. "Wir haben schon erklärt, dass wir 2008 international ausbauen wollen", sagt Schusser. Garantieren will er aber nichts.
Auf Dauer wird die Video-Download-Branche allerdings noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben: Oft sind die Internet-Verbindungen des Kunden zu langsam. So dauert es manchmal Stunden, bis ein Film auf der Festplatte ist. Doch damit nicht genug: Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Park Associates über die bisherigen Angebote brachte im Oktober 2007 ein vernichtendes Urteil: Öde Filme, meist zu überhöhten Preisen und zudem in bescheidener Qualität. Keine 13 Prozent der befragten Nutzer von legalen Onlinediensten waren rundum zufrieden. Nur zehn Prozent gaben an, sie wollten in Zukunft überhaupt noch einmal ihre Videothek über das Internet auffüllen.
Die meisten Geräte arbeiten wie Apple
zudem nur mit einem speziellen Internet-Shop zusammen. Fehlende Angebote lassen sich dabei also nicht, etwa wie bei Nutzung eines Computers mit Webbrowser, aus anderen Quellen beschaffen. Dazu kommt, dass es im Apple
TV kein DVD-Laufwerk gibt, um auf DVD vorhandene Kinofilme abzuspielen. Zumindest ein Problem, um das man mit der konkurrierenden Microsoft
Xbox 360 wenigstens nicht hat.
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Die Konkurrenten sind schon einen Schritt voraus
Microsoft
Archos
D-Link DSM
330 DivX ist ein Videostandard, der speziell auf Internetnutzer und HD-Qualität zugeschnitten ist. Die D-Link-Box hat keine Festplatte und keinen eigenen Prozessor, funktioniert daher ausschließlich mit einem PC zusammen. Die Menüoberfläche ist intuitiv gestaltet und erinnert stark an Apple
TV. Vorteile: Geräuschlos, mit 180 Euro relativ preisgünstig und HD-fähig. Nachteile: Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit des Computers und ein noch geringes Angebot an Inhalten.

