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03.04.2008 
Angriff auf Microsoft & Co.

Apple eröffnet Online-Videothek

von Axel Postinett

Um den Verkauf seiner TV-Box anzukurbeln, bietet der Multimediakonzern Serien zum Herunterladen im Netz an. Die Zeit drängt: Die Konkurrenten um Microsoft sind schon einen Schritt voraus. Was die ganze Branche eint: Sie haben mit den zu langsamen Internet-Anschlüssen der Nutzer zu kämpfen.

Der Verkauf von Apple TV lahmt bisher noch. Lupe

Der Verkauf von Apple TV lahmt bisher noch.

DÜSSELDORF. Download statt DVD: Apple startet in Deutschland den Verkauf von TV-Serien über seinen Internet-Medienshop iTunes. Damit will das Multimedia-Unternehmen nicht zuletzt die lahmenden Verkäufe seiner Fernsehbox Apple TV ankurbeln. Diese hat sich seit ihrer Einführung im Jahr 2007 als Flop erwiesen und gerade eine Rundumerneuerung hinter sich. Die erste Version sei von den Kunden überhaupt nicht angenommen worden, räumte Apple -Chef Steve Jobs im Januar in ungewohnter Offenheit ein.

Die Zeit drängt. Der große Rivale Microsoft ist im Dezember 2007 über seine Spielekonsole Xbox 360 mit der Web-Plattform www.xboxlive.com in den deutschen Download-Markt eingestiegen. Dort gibt es allerdings derzeit erst Kinofilme und noch keine TV-Serien wie über iTunes. Die sollen, so Microsoft -Sprecher Felix Petzel, erst in einem zweiten Schritt nach Deutschland kommen. In den USA treffen die beiden Gegner aber im TV-Markt schon aufeinander.

Der Kauf-Service wendet sich vor allem an "Hardcore"-Serienfans, die sich die gleichen Folgen immer wieder anschauen wollen. Wer eine Folge seiner Lieblingsserie verpasst hat, kann nun seit gestern einzelne Episoden zum Preis von 1,99 bis 2,49 Euro über iTunes kaufen und auf iPods, iPhones oder eben die Apple-TV -Box übertragen. Voraussetzung ist ein Konto beim iTunes-Shop.


Tabelle  Infografik: Seifenoper auf Abruf


Die Käufer können die Dateien auf maximal fünf Rechner kopieren. Derzeit sind 35 Serien von "Stromberg" über "Southpark" bis zu "Desperate Housewives" im Angebot. In den USA stellt Apple seit Ende 2005 TV-Sendungen zum Download bereit. Dort hat das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 125 Millionen TV-Clips verkauft.

Doch die Konkurrenz ist groß: Verpasste Teile einer Serie können Fans schon seit langem bei anderen Anbietern wie beispielsweise bei rtlnow.de günstiger laden, allerdings auch nur einmal anschauen. Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1 bieten auf ihren Onlineseiten ausgewählte Sendungen sogar kostenlos in voller Länge an - und das direkt nach der Ausstrahlung. Nur ältere Folgen bieten die Unternehmen für ein einmaliges Anschauen ab etwa einem Euro an.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Manko für Apple in Deutschland

In den USA stellt der Sender Comedy Central seit Ende März sogar die kompletten Staffeln der Kultserie Southpark auf www.southparkstudios.com zum kostenlosen Herunterladen bereit. Derzeit ist die Seite noch aus Deutschland erreichbar. Andere stark frequentierte Seiten wie www.hulu.com ("Simpsons", "Family Guy") haben ihre Angebote auf Druck der europäischen Sender-Lizenznehmer dagegen mittlerweile für Websurfer außerhalb der USA gesperrt.

Die Umsonst-Konkurrenz ficht Apple allerdings nicht an. "Wir wollen mit unserem Produkt und der einfachen Bedienbarkeit überzeugen", hält Apple -Manager Schusser in geschliffenem Marketing-Deutsch dagegen. Sein Argument: Die erworbenen Folgen gingen für immer in den Besitz des Käufers über. Außerdem seien sie werbefrei. Das Unternehmen erlaubt sogar eine Sicherungskopie auf einer DVD - wenn auch nur kopiergeschützt. Diese lässt sich allerdings nur wieder auf den iTunes-Computer zurückspielen, mit dessen Account sie gekauft wurde. Auf einem DVD-Player läuft sie nicht.

Ein Manko von Apple TV bleibt hierzulande aber bestehen: Schon heute können sich Kinofans über das Internet kurze Werbe-Trailer von Kinofilmen in HD-Qualität auf ihren Fernseher holen. Tatsächlich in voller Länge kaufen oder mieten können sie die Filme nicht - das ist weiterhin auf die USA beschränkt. "Wir haben schon erklärt, dass wir 2008 international ausbauen wollen", sagt Schusser. Garantieren will er aber nichts.

Auf Dauer wird die Video-Download-Branche allerdings noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben: Oft sind die Internet-Verbindungen des Kunden zu langsam. So dauert es manchmal Stunden, bis ein Film auf der Festplatte ist. Doch damit nicht genug: Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Park Associates über die bisherigen Angebote brachte im Oktober 2007 ein vernichtendes Urteil: Öde Filme, meist zu überhöhten Preisen und zudem in bescheidener Qualität. Keine 13 Prozent der befragten Nutzer von legalen Onlinediensten waren rundum zufrieden. Nur zehn Prozent gaben an, sie wollten in Zukunft überhaupt noch einmal ihre Videothek über das Internet auffüllen.

Die meisten Geräte arbeiten wie Apple zudem nur mit einem speziellen Internet-Shop zusammen. Fehlende Angebote lassen sich dabei also nicht, etwa wie bei Nutzung eines Computers mit Webbrowser, aus anderen Quellen beschaffen. Dazu kommt, dass es im Apple TV kein DVD-Laufwerk gibt, um auf DVD vorhandene Kinofilme abzuspielen. Zumindest ein Problem, um das man mit der konkurrierenden Microsoft Xbox 360 wenigstens nicht hat.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Konkurrenten sind schon einen Schritt voraus

Die Konkurrenten sind schon einen Schritt voraus

Microsoft Xbox 360 Die Xbox 360 ist eine Konsole für Videospiele mit Internet- und PC-Anschluss. Die Microsoft-Online -Plattform Xbox Live verfügt in Deutschland seit Dezember 2007 über einen Online-Videoshop. Filme in TV-Qualität kosten zwischen 3 und 4,50 Euro, abhängig von ihrem Alter. Der Preis für Clips in hoch auflösender Qualität liegen zwischen 4,50 und 6,40 Euro Gebühr. Die Filme bleiben 14 Tage auf der Festplatte. Die Mieter müssen sie nach dem ersten Anspielen innerhalb von 24 Stunden zu Ende schauen. Derzeit sind 60 Filme im Angebot, darunter auch aktuelle Kinoerfolge wie "300". Die Zahl soll sich nach Aussagen von Microsoft -Sprecher Felix Petzel bald erhöhen. Während es in den USA einen Kauf-Shop für TV-Serien bereits gibt, plant das Unternehmen dies in Deutschland erst in einem zweiten Schritt. In Verbindung mit einem Computer mit dem Microsoft -Betriebssystem Windows fungiert die Xbox 360 auch als Media-Erweiterungsbox. Über das Windows Media Center lassen sich Fotos, Musik- oder Videoclips von der Festplatte auf den Fernseher übertragen. Anwender können Musik-CDs allerdings auch ohne PC "rippen", also auf die Festplatte der Xbox überspielen. Fotos lassen sich mit einer Daten-DVD oder einem USB-Anschluss per Digitalkamera oder Datenstick aufspielen. Wie bei Apple TV können die Nutzer die Mediadaten über Wiedergabelisten steuern, Diaschauen können sie mit Musik unterlegen. In Verbindung mit einer TV-Karte im PC ist über die Xbox - anders als bei Apple TV - auch ein normaler Fernseh-Empfang möglich, mit einem integrierten EPG ("Elektronischer Programm-Guide, eine digitale Fernsehzeitung) und zeitgesteuerter Aufzeichnung auf der Festplatte. Der Vorteil der Xbox 360 ist das eingebaute Laufwerk für DVD-Filme, das sie zu einer vollständigen Spielekonsole macht. Der Nachteil: Sie ist mit 299 Euro relativ teuer. Weil die Xbox und der PC im Media-Center-Betrieb beide eingeschaltet sein müssen, verbraucht sie zudem viel Strom. Außerdem stört das relativ laute Geräusch des Lüfters.

Archos TV+ Das französische Unternehmen Archos ist in Deutschland ein Nischenanbieter. Der Archos TV+ speichert bis zu 250 Gigabyte Daten - das sind bis zu 450 Stunden Video - und verfügt über einen eingebauten EPG zur automatischen Programmierung von TV-Aufzeichnungen. Die digitale Fernsehzeitung ist nur im ersten Jahr kostenfrei. Käufer müssen sich zudem einen Web-Browser gesondert hinzukaufen. Die Box (Foto rechts) funktioniert an gängigen Kabel- oder Satellitenanschlüssen, über die sie die Programminformationen bezieht. Inhalte gibt es über ein eigenes Portal zu kaufen, das anders als bei Apple oder Microsoft die Auswahl aus mehreren Anbietern zulässt. Derzeit sind die Inhalte stark Frankreich-lastig. Aufgezeichnete TV-Sendungen lassen sich auf tragbare Archos -Spieler (vergleichbar mit dem iPod) übertragen. Das Gerät kostet etwa 230 Euro. Die Vorteile: Kaum Laufgeräusche und geringer Platzbedarf. Nachteile: eine nervige Aufpreispolitik und noch wenige Inhalte.

D-Link DSM 330 DivX ist ein Videostandard, der speziell auf Internetnutzer und HD-Qualität zugeschnitten ist. Die D-Link-Box hat keine Festplatte und keinen eigenen Prozessor, funktioniert daher ausschließlich mit einem PC zusammen. Die Menüoberfläche ist intuitiv gestaltet und erinnert stark an Apple TV. Vorteile: Geräuschlos, mit 180 Euro relativ preisgünstig und HD-fähig. Nachteile: Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit des Computers und ein noch geringes Angebot an Inhalten.

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